Verordnete Transparenz

Sie haben es sicherlich mitbekommen – nach dem versuchten Anschlag auf deutsche Regionalzüge mit zwei Kofferbomben kochen die Diskussionen wieder hoch, wie solche Attentate schon im Vorfeld erkannt und verhindert werden können. Unter anderem steht dabei auch das Thema „Verschlüsselung“ im Kreuzfeuer – schließlich ermöglicht sie Terroristen, ihre Kommunikation und geheimen Dokumente nahezu unknackbar zu schützen.

Nun ist aber längst nicht jeder, der verschlüsselt, ein Terrorist. Für Otto-Normalverbraucher wie auch für Unternehmen ist Verschlüsselung ein Mittel zum Schutz ihrer Sicherheit – sei es bei der Übermittlung vertraulicher Daten über das Internet, oder einfach, um wichtige Dateien auf dem Notebook selbst dann geschützt zu wissen, wenn der Computer gestohlen wurde. Verschlüsselung ist also nicht prinzipiell schlecht und böse, im Gegenteil: Ihre Anwendung zeugt von Sicherheits- und Verantwortungsbewusstsein.

Wenn nun einige deutsche Politker fordern, diese Technologie zu verbieten, oder nur unter der Bedingung zu erlauben, dass der Staat eine Kopie des Schlüssels ausgehändigt bekommt, zeugt das von einer gewissen Weltfremdheit. Schließlich ist es auch verboten, Züge in die Luft zu sprengen – was aber keinen Terroristen in Zukunft davon abbringen dürfte, dies trotzdem zu versuchen. Unter dem Aspekt „Terrorismusbekämpfung“ ist eine Einschränkung von Verschlüsselung also eine Luftnummer – eingeschränkt würden ausschließlich Unternehmen und Privatanwender, die ihre Sicherheit in die eigene Hand nehmen und Wert auf Privatsphäre legen.

Würde jemand fordern, aus Sicherheitsgründen das Abschließen der Haustür zu verbieten – der Aufruhr in den Medien wäre gewaltig. Doch ebenso wie viele Politiker ist leider auch die breite Masse der Bevölkerung mit dem Thema „Datensicherheit“ überfordert, um die Parallelen zu erkennen – und so ist zu fürchten, dass die Einschränkung von Verschlüsselung tatsächlich seinen Weg in die Rechtsprechung finden könnte.

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