Nichts zu verbergen

Stilblüten in der Diskussion um den Bundestrojaner

Die Diskussion um die so genannte Onlinedurchsuchung – auch als „Bundestrojaner“ bekannt – erfreut sich ungebremster Beliebtheit. Für alle, die hier den Anschluss verpasst haben in aller Kürze der aktuelle Stand:

Die Software scheint einsatzbereit, die Behörden waren nur noch auf die gesetzliche Grundlage, um sie auch einzusetzen. Dabei würde das Programm laut Jörg Zirke, Präsident des Bundeskriminalamtes, vermutlich zwischen fünf und zehn Mal pro Jahr zum Einsatz kommen. Um einer Entdeckung zu entgehen, würde vor der Verteilung ein Test mit allen gängigen Antivirenprogrammen durchgeführt (wobei ich persönlich Zweifel habe, dass bei vollständig aktiviertem proaktivem Schutz kein Warnhinweis erscheinen würde). Der Installationsweg wäre dabei ebenso wie die verwendete Software von Fall zu Fall auf den Verdächtigen angepasst – möglich wäre der klassische Versand per E-Mail (natürlich unter falschem Absender), aber auch eine direkte Installation über physischen Zugriff auf den Computer. Angeblich gab es in der Vergangenheit sogar schon einmal den Versuch, einen Trojaner als Werbe-CD getarnt im Briefkasten des Verdächtigen einzuschleusen.

Das Thema an sich ist schon interessant genug für einen Blog – deutlich unterhaltsamer sind aber die Diskussionen die mit jeder neuen Meldung zu diesem Thema einhergehen. Wie heute bei der letzten Heise-Meldung.

Da schreibt ein Leser einen provokanten Kommentar, in dem er die zahlreich vertretenen Gegner des „Bundestrojaners“ fragt, ob sie etwa die Entdeckung ihrer Kinderpornos und Raubkopien fürchten würden. Kurz darauf die Antwort eines anderen Heise-Besuchers:

Auch Du solltest nichts zu verbergen haben. Bitte teile mir Deine Kontoverbindung, Deine PIN Nummer, Deine zuletzt angesurfte, wenn möglich kostenpflichtige Webseiten und deren Login und Passwort mit.

Unfassbar, aber wahr: Wenig später veröffentlicht der Herausgeforderte seine komplette Anschrift, Telefonnummer und Kontoverbindung – wenigstens PIN und TAN behielt er für sich.

Doch die veröffentlichten Daten reichten dank Google für andere Leser aus, um das Persönlichkeitsprofil zu vervollständigen: Hobbies (Fußball), Verwendeter Browser (Opera), E-Mail-Adressen (GMX und Google-Mail), Musikgeschmack (Independent und Rockmusik) und vieles mehr.

Wären doch nur auch alle Malwareautoren so offen wie er – die Welt wäre ein sicherer Ort.

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