Schuld und Sühne?

Am 3. Oktober wurde der lauteste Cyber-Kriminalfall der letzten Jahre in Russland abgeschlossen.

Kaspersky Lab war an diesem Fall nicht beteiligt, doch wir haben ihn mit Interesse verfolgt.

Zwei Jahre dauerten die Ermittlungen. Immer stärker wurde der Eindruck, dass die Ermittlungsbehörden vor ernsthaften Problemen standen.

In Russland ist es bereits zur Gewohnheit geworden, dass die meisten Verbrechen im Computerbereich, die nach dem Strafgesetz gehandhabt werden, nicht vor dem Gericht landen. Diejenigen, die dennoch dort landen, enden mit nur geringen Haftfristen und Strafen.

Umso mehr waren wir von diesem Urteil geschockt: 8 Jahre erhielten die drei Verurteilten. Das ist mehr als sie nach Artikel 273 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation (Erstellung und Verbreitung von Schadprogrammen für IBM) bekommen hätten. Laut Artikel 273 sind für ein Gruppenverbrechen 3 bis 7 Jahre Freiheitsentzug vorgesehen. Offensichtlich wurde dieses Urteil auch für Erpressung verkündet (Artikel 163, Freiheitsentzug von 7 bis 15 Jahren).

DoS-Attacken wurden zu einer richtigen Internet-Unglücksfalle in den Jahren 2002 bis 2004. Jedoch bemerken wir in der letzten Zeit einen erheblichen Rückgang solcher Attacken. Beinahe können wir sogar schon vom Aussterben dieser Form der Cyber-Kriminalität reden. Doch die Grundlage dieser Attacken blieb bestehen – ich meine die Netzwerke der Zombie-Maschinen.

Die Verbrecher fanden einfach vorteilhaftere Verwendung für sie, noch dazu mit geringerem Risiko. Sie werden für Spamversand, Verbreitung von Adware sowie Diebstahl persönlicher Userdaten ausgenutzt. Zombie-Netzwerke bringen jetzt einer größeren Menschenmenge höheren Schaden, als bisherige primitive DoS-Attacken.

Diejenigen, die sich mit DoS-Attacken beschäftigen, standen schon immer auf einer niedrigeren Stufe in der Hirarchie des Cyber-Verbrechens. Das sind ganz gewöhnliche Script-Kiddies. Die Verbrecher der Gegenwart gehen weitaus vorsichtiger und unbemerkter vor. Leider werden sie auch nicht von den entsprechenden Rechtsorganen verfolgt.

Das gestern in Saratov gesprochene Urteil ist in erster Linie ein Vorzeige-Urteil. Es soll dem Westen zeigen, dass Russland gegen die Cyber-Kriminalität kämpft und fähig ist, erfolgreiche Operationen in enger Zusammenarbeit mit den Behörden anderer Länder durchzuführen. Das Urteil ist hart. Es ist der erste Fall, in dem Menschen in Russland eine Gefängnisstrafe für Computerverbrechen erhielten.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich unsere Rechtsorgane in der Zukunft nicht nur mit den bekannten Fällen beschäftigen, sondern professionell und schnell auf alle Erscheinungen des Cyberverbrechens reagieren werden.

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