Malware-Report 2010 und Ausblick 2011

2010: das Jahr der Sicherheitslücken

Der Jahresbericht beruht auf Daten, die mit Hilfe des Kaspersky Security Network gewonnen und ausgewertet wurden.

Betrachtet man die Malware-Landschaft im Jahr 2010, so zeichnen sich etliche Parallelen zum Vorjahr ab. Denn die allgemeine Ausrichtung der Angriffe hat sich nicht drastisch geändert; allerdings haben viele Attacken ein neues qualitatives Niveau erreicht.

Der Anteil neuer Schadprogramme, die innerhalb eines Monats entdeckt wurden, hält sich auf dem Level des Jahres 2009, und bei einigen Malware-Typen wurde sogar ein Rückgang der Aktivität registriert. Attacken auf Browser und Botnetze waren nach wie vor die größte Bedrohung.

In erster Linie standen Sicherheitslücken in den Adobe-Produkten im Visier der Cyberkriminellen. Sie wurden zum Haupteinfallstor für Malware. Weiterhin geht der Trend weg von der Ausnutzung von Schwachstellen in den Produkten von Microsoft hin zur Ausnutzung von Sicherheitslücken bei Adobe sowie Apple (Safari, Quicktime, iTunes).

Ergebnisse

In unserem Jahresbericht 2009 versuchten wir die Entwicklungen innerhalb der Cybercrime-Szene und deren Angriffsarten für das Jahr 2010 vorherzusagen. Nach Ablauf des Jahres können wir nun, wie im Folgenden ausführlich erläutert wird, das Fazit ziehen, dass sich unsere Prognosen größtenteils bewahrheitet haben.

Zunahme der Attacken mit Hilfe von Filesharing-Netzen

P2P-Netze beziehungsweise Filesharing-Netze erwiesen sich im Jahr 2010 tatsächlich als beliebtes Einfallstor für Malware. Diese Angriffe haben sich nach Browser-Attacken an der zweiten Stelle positioniert.

Über Filesharing-Netze wurden praktisch alle Arten von Schadprogrammen verbreitet: Datei-Viren, gefälschte Antiviren-Lösungen, Backdoors und alle nur erdenklichen Würmer. Außerdem wurden solche Netze zum Hauptverbreitungsweg für neue Bedrohungen, wie zum Beispiel ArchSMS.

Die Zunahme der cyberkriminellen Aktivität in P2P-Netzen wurde auch von den Sicherheits-Experten anderer Unternehmen registriert. So weist zum Beispiel die Firma Cisco in ihrem Bericht für das erste Halbjahr 2010 direkt auf den signifikanten Anstieg der Attacken in den drei populärsten P2P-Netzen BitTorrent, eDonkey und Gnutella hin.

Die Malware-Epidemie über P2P-Netze begann im März 2010, als die Zahl der mit Hilfe des Kaspersky Security Networks registrierten Vorfälle erstmals 2,5 Millionen im Monat überstieg. Zum Ende des Jahres registrierte Kaspersky Lab 3,2 Millionen Attacken dieser Art

Kampf um Traffic

So genannte Partnerprogramme spielen nach wie vor eine überaus wichtige Rolle, wenn es um die Wechselbeziehungen zwischen Cyberkriminellen und Diensten zum Aufbau neuer Botnetze sowie zur Steuerung und Umverteilung bestehender Botnetz-Kapazitäten auf neue Einsatzgebiete geht.

Neben ihren offensichtlich kriminellen Arbeitsgebieten, wie etwa der Infizierung von legalen Webseiten und von Anwendercomputern mittels Drive-by-Downloads, bedienten sich die Partnerprogramme im Jahr 2010 zunehmend auch so genannter „grauer“ Einnahmequellen. Dazu zählen verschiedene Tricks, um den Anwender dazu zu bringen, sich freiwillig Dateien auf seinen Computer zu laden, die Verwendung von „abgefangenen“ Ressourcen zur Black SEO (verbotene Methoden der Suchmaschinenoptimierung), Attention-Grabbing-Links und die Verbreitung von Adware sowie die Umleitung des Traffics auf verschiedene Ressourcen.

Mehr über die aktuellen Arbeitsmethoden solcher Partnerprogramme erfahren Sie in der Analyse „The Perils of the Internet“.

Epidemien und zunehmende Komplexität von Schadprogrammen

Keine Epidemie war im letzten Jahr in Bezug auf Ausbreitungsgeschwindigkeit, Ausmaß und der ihr entgegengebrachten Aufmerksamkeit mit der des Wurms Kido (Conficker) aus dem Jahr 2009 vergleichbar. Betrachtet man die aufgezählten Faktoren im Einzelnen, so können allerdings 2010 viele Schadprogramme zweifellos zur Gattung der Epidemien (globalen Ausmaßes) gezählt werden.

Die Botnetze Mariposa, ZeuS, Bredolab, TDSS, Koobface, Sinowal und Black Energy 2.0 waren im Jahr 2010 immer wieder Gegenstand von gerichtlichen Untersuchungen und ihre Namen tauchten ständig in der Berichterstattung auf. Jedes dieser Botnetze steht für Millionen von infizierten Computern auf der ganzen Welt und sie zählen zu den technisch kompliziertesten Schadprogrammen.

Dabei wurden die Bots nicht nur mit konventionellen Mitteln wie E-Mail in Umlauf gebracht. Die Cyberkriminellen setzten hier auch auf moderne Verbreitungsplattformen wie soziale Netzwerke und Dateitauschbörsen. Bei diesen Bedrohungen wurden zum Teil erstmals Schadprogramme für 64-Bit-Plattformen umgesetzt, viele verbreiteten sich mit Hilfe von Zero-Day-Schwachstellen.

Ganz oben auf der Liste der Malware-Trends 2010 steht leider ein negatives „Meisterstück“, der Wurm Stuxnet. Stuxnet war das IT-Sicherheitsthema im zweiten Halbjahr 2010. Die Berichterstattung zu diesem Schädling, seinen möglichen Zielen und seinen Funktionsarten stellte alles vorher da gewesene in den Schatten.

Der Fall Stuxnet zeigt, dass die am weitesten verbreiteten Programme auch immer die technisch kompliziertesten Bedrohungen darstellen. Damit wird die Messlatte auch für die Antiviren-Industrie höher gehängt, denn sie befindet sich in einem ständigen technologischen Wettstreit mit den Virenschreibern.

Rückgang der gefälschten Antiviren-Programme

Diese Vorhersage war überaus strittig – selbst unter Kollegen gingen die Meinungen bei diesem Thema auseinander. Damit sie sich bewahrheitete, musste noch eine Reihe zusätzlicher Faktoren eintreffen, wie beispielsweise die Änderung der wichtigsten Einnahmemethoden für die Betreiber und Teilnehmer an Partnerprogrammen, die Gegenwehr seitens der Antiviren-Unternehmen und der Strafverfolgungsbehörden, sowie eine ernsthafte Konkurrenz unter den verschiedenen Gruppen von Cyberkriminellen, die sich mit der Entwicklung und Verbreitung von gefälschten Antiviren-Programmen beschäftigen.

Stützt man sich am Ende des Jahres auf die mit Hilfe von KSN gewonnenen statistischen Daten um ein Fazit zu ziehen, so kommt man zu dem Schluss, dass die Anzahl von gefälschten Antiviren-Lösungen weltweit insgesamt tatsächlich abgenommen hat. Während in den Monaten Februar und März 2010 der Höhepunkt der Aktivität registriert wurde (etwa 200.000 Vorfälle pro Monat), ging deren Verbreitung Ende des Jahres 2010 um das Vierfache zurück. Zudem ließ sich eine starke regionale Ausrichtung der bestehenden falschen Antiviren-Programme feststellen. Die Cyber-Betrüger konzentrierten sich lieber auf eine kleine Anzahl von Ländern und hier in erster Linie die USA, Frankreich, Deutschland und Spanien.

Angriffe auf und in Google Wave

Das Projekt Google Wave wurde Mitte des Jahres 2010 von Google verworfen, so dass es gar nicht erst in vollem Ausmaß in Betrieb genommen werden und keine große Zahl an Teilnehmern an sich binden konnte. Aus diesem Grund hat sich die Vorhersage bezüglich der Attacken auf diesen Service und seine Kunden nicht bewahrheitet.

Attacken auf das iPhone und Android

Im Jahr 2009 wurden die ersten Schadprogramme für das iPhone sowie ein Spionageprogramm für Android entdeckt. Wir vermuteten, dass die Cyberkriminellen diesen Plattformen im Jahr 2010 wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmen würden.

Was das iPhone betrifft, so gab es keine Vorfälle mit echten Schadprogrammen, die etwa mit dem Wurm Ike aus dem Jahr 2009 vergleichbar sind. Allerdings wurden im vergangenen Jahr einige Konzept-Programme für diese Plattform entwickelt, die demonstrieren, welche Waffen die Cyberkriminellen in ihr Arsenal aufnehmen könnten. Durchaus erwähnenswert ist hier das Programm SpyPhone, das von Schweizer Forschern entwickelt wurde und sich unerlaubten Zugriff auf Informationen über den Aufenthaltsort, die Interessen, die Passwörter und den Suchverlauf im Internet sowie über den Beruf und die Freunde des iPhone-Anwenders verschaffen kann. Diese Informationen können daraufhin unbemerkt an einen entfernten Server geschickt werden. Eine solche Funktionalität kann erfolgreich in einer harmlos erscheinenden Anwendung verborgen werden.

Früher waren vor allem die Endnutzer gefährdet, die zur Installation von Anwendungen aus beliebiger Quelle einen Jailbreak für ihr Telefon durchführten. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute sind Angriffe theoretisch vor allem dann möglich, wenn sich Anwender die vielgeliebten Apps aus dem Apple Store auf ihr Smartphone laden. Einige Vorfälle mit legalen Anwendungen sind bereits bekannt, bei denen unbemerkt Nutzerdaten gesammelt und diese an ihre Entwickler weitergeleitet werden.

Die oben beschriebene Gefahrenlage für iPhone-Nutzer trifft auch auf Android zu – mit einer wichtigen Ergänzung: Für diese Plattform wurden Schadprogramme gefunden, die eine eindeutig kriminelle Ausrichtung haben. Sie funktionieren nach der bereits erprobten Methode mobiler Trojaner und verschicken SMS-Nachrichten an kostenpflichtige Nummern. Der Schädling Trojan-SMS.AndroidOS.FakePlayer, für den offensichtlich russische Virenautoren verantwortlich sind, wurde im September 2010 von Kaspersky Lab entdeckt, und ist die erste reale Android-Malware. Obgleich der Trojaner nicht über den Android Market (die offizielle Plattform zum Erwerb von Android-Anwendungen), sondern über betrügerische Websites verbreitet wurde, halten wir es für äußerst wahrscheinlich, dass auch im Android Market schädliche Anwendungen auftauchen werden. Außerdem gibt es eine Vielzahl legaler Anwendungen, die bei der Installation auf dem Telefon den Anwender um Zugriff auf private Daten, SMS-Sendefunktionen und Anrufdetails bitten. In den meisten Fällen leisten die Endnutzer diesen Bitten Folge – Anlass, an der Zuverlässigkeit des Sicherheitskonzepts von Android insgesamt zu zweifeln.

Zielgerichtete Attacken auf Unternehmen und Industrieobjekte

Die unter dem Namen „Aurora“ bekannte Attacke vom Anfang des Jahres 2010 betraf nicht nur das Unternehmen Google. Zwar war Google das Hauptziel der Angreifer, dennoch traf es auch eine Reihe anderer Konzerne überall auf der Welt. Der Vorfall deckte ernsthafte Sicherheitslücken in den Sicherheitssystemen auf und zeigte, wo die potentiellen Ziele für Cyberspionage und den Diebstahl sensibler kommerzieller Informationen sind. Auch in Zukunft werden Großunternehmen im Visier zielgerichteter Attacken stehen.

Der Wurm Stuxnet ist nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Komplexität interessant, sondern in erster Linie aufgrund seines Ziels. Er hat speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) im Visier, die in der industriellen Produktion verwendet werden. Stuxnet markiert das erste allgemein bekannt gewordene Beispiel für industrielle Cyber-Spionage und -Sabotage, durch die ernsthafte Schäden verursacht werden können. Die frühere Grenze zwischen der virtuellen und der realen Welt ist praktisch verschwunden, was uns alle vor völlig neue Aufgaben stellt, die es in nächster Zeit zu lösen gilt.

Digitale Zertifikate

Digitale Zertifikate und Signaturen gehören zu den Säulen, auf denen das Vertrauen zu verschiedenen Objekten in der Computerwelt fußt. Selbstverständlich spielt das Vorhandensein einer Signatur in einer Datei auch bei der Entwicklung von Antiviren-Lösungen eine wichtige Rolle. So werden von vertrauenswürdigen Herstellern signierte Dateien als sauber bewertet. Diese Technologie ermöglicht es den Entwicklern von Antiviren-Programmen, die Zahl von False-Positives zu reduzieren und gleichzeitig Ressourcen beim Scan des Anwendercomputers auf Infizierungen einzusparen.

Die Ereignisse des Jahres 2010 haben gezeigt, dass Cyberkriminelle, wie jeder andere Softwareentwickler, auf völlig legalem Weg an digitale Zertifikate kommen können. Zum Beispiel, indem sie offiziell eine „Software zur Remote-Steuerung ohne GUI“ entwickeln, bei der es sich in Wahrheit um eine Backdoor handelt. Vor allem Entwickler von AdWare, RiskWare und gefälschten Antiviren-Programmen bevorzugen diese Methode, um die eigene Malware vor Entdeckung durch eine Antiviren-Lösung zu schützen. Haben die Kriminellen erst einmal den notwendigen Schlüssel vom Zertifizierungsdienstanbieter erhalten, können Sie damit ohne großen Aufwand ihre Schadprogramme signieren.

Man kann nun mit Fug und Recht behaupten, dass die Idee der Signatur von Programmen ernsthaft in Misskredit geraten ist. Nicht nur, dass unbescholtene Zertifizierungsdienstanbieter in Misskredit geraten – es sind die Cyberkriminellen selbst, die derartige Dienste anbieten.

Außerdem ist ein Zertifikat oder genauer ausgedrückt sein geheimer Schlüssel nichts anderes als eine Datei, die, wie jedes andere virtuelle Eigentum auch, gestohlen werden kann. Die entdeckten Komponenten des Wurms Stuxnet waren mit Hilfe von Zertifikaten der Firmen Realtec Semiconductors und JMicron signiert. Wie genau der geheime Schlüssel in die Hände der Cyberkriminellen gelangte, ist nicht bekannt. Doch offensichtlich gibt es hier verschiedene Möglichkeiten, um an echte Zertifikate zu kommen. Womöglich haben die Hintermänner von Stuxnet diese wichtigen Dateien Insidern abgekauft oder sie mit Hilfe einer Backdoors oder eines ähnlichen Schadprogramms gestohlen. Der Diebstahl von Zertifikaten ist zum Beispiel eine der Funktionen des weit verbreiteten Trojaners Zbot (ZeuS).

Daten, Daten, Daten: Cyberattacken 2011 – Der ultimative Datenklau

Bei früheren Prognosen haben wir uns ausschließlich аuf die Methoden der Cyberangriffe konzentriert, wie zum Beispiel „Attacken auf mobile Plattformen“, „Sicherheitslücken“ und ähnliches. Das hängt damit zusammen, dass das einzige Ziel der Cyberkriminellen immer nur Geld war.

Die Entwicklung des letzten Jahres hat allerdings gezeigt, dass die Welt der Cyberkriminalität sich im Wandel befindet und wir im Jahr 2011 zusätzlich zu den Methoden nun auch die Bereiche Organisatoren von Cyberattacken und deren Ziele eingehender betrachten müssen. Man kann diese Entwicklung mit dem Verschwinden von Schadprogrammen vergleichen, die „just for fun“ geschrieben wurden und mit dem darauffolgenden Aufkommen der modernen Cyberkriminalität.

Methoden

Zum Einstieg in diesen Abschnitt sei erwähnt, dass die Methoden der Cyberattacken nicht von ihren Organisatoren und Zielen abhängen. Sie spiegeln vielmehr die technischen Möglichkeiten wider, die moderne Betriebssysteme, das Internet und seine Services Cyberkriminellen heute bieten.

Rückblickend kann gesagt werden, dass 2010 das Jahr der Sicherheitslücken war. Wir gehen davon aus, dass sich im neuen Jahr dieses Problem weiter verschärfen wird. Programmfehler werden wohl noch häufiger als schon geschehen ausgenutzt werden. Diese Entwicklung wird begünstigt durch die Entdeckung neuer Sicherheitslücken in gängigen Produkten (Windows, Office, Produkte von Adobe und Apple). Stichwort „Zero-Day-Schwachstelle“: Vor wenigen Jahren war die Ausnutzung von Zero-Day-Schwachstellen ein einzigartiges Phänomen – im ausgehenden Jahr jedoch keine Seltenheit mehr. Und wir gehen davon aus, dass diese Tendenz sich fortsetzen und die Zero-Day-Bedrohungen weiter zunehmen werden. Zudem werden künftig nicht nur die unter Cyberkriminellen so beliebten Sicherheitslücken der Klasse “remote code execution” ausgenutzt werden, sondern auch die bisher kaum beachteten Schwachstellen zur Erhöhung der Systemprivilegien, der Datenmanipulation, der Umgehung der Schutzmechanismen des Systems. Aber auch auf der menschlichen Seite hat sich einiges getan und so werden die immer professioneller agierenden Cyberkriminellen schneller denn je auf ihre Aufdeckung und Entdeckung reagieren können.

Nach wie vor werden die wichtigsten illegalen Einnahmequellen im Diebstahl von Online-Banking-Accounts, Spamversand, der Organisation von DDoS-Attacken, Erpressung und Betrug liegen. Um diese Ziele zu erreichen, werden mehr oder weniger häufig dieselben Methoden wie heute auch angewendet werden.

Ohne Zweifel wird die Zahl der Bedrohungen für 64-Bit-Plattformen zunehmen. Da das Leben sich zunehmend in sozialen Netzwerken abspielt, wird auch im neuen Jahr die Zahl der Angriffe auf Nutzer sozialer Netzwerke zunehmen. Dabei werden die meisten Attacken Sicherheitslücken ausnutzen und über den Browser realisiert werden. DDoS-Attacken bleiben eines der wichtigsten Probleme des Internets. Zudem müssen wir uns auf neuartige Angriffe auf mobile Geräte und Betriebssysteme einstellen. In erster Linie wird das neue Jahr für Android recht gefährlich werden.

Doch all das wird nur der Hintergrund sein vor einer sich grundlegend gewandelten Landschaft, die geprägt sein wird von dem Auftreten neuer Organisatoren und neuer Ziele der Cyberattacken

Neue Organisatoren und neue Ziele

Wie eingangs erwähnt, waren die letzten Jahre hinsichtlich des Zwecks der Cyberattacken recht überschaubar, ging es doch größtenteils um Geld. Das Auftreten von Stuxnet allerdings läutete eine neue Ära ein, denn hier wurden gewisse moralische und technische Grenzen überschritten. Die Angriffe des Wurms haben der ganzen Welt eindrucksvoll gezeigt, dass es Cyberwaffen gibt, denen man nicht ohne Weiteres, ganz im Gegenteil nur mit äußerster Anstrengung Widerstand leisten kann. Nachdem die erste Stuxnet-Welle für die Cyberkriminellen so erfolgreich gelaufen ist, ist es nicht ausgeschlossen, dass zukünftig auch Cyber-Nachrichtendienste und kommerzielle Unternehmen ihr Wissen und ihre Möglichkeiten in Stuxnet-ähnliche Programme stecken werden. Traditionelle Cyberangriffe werden natürlich nach wie vor Standard sein und somit die Basis der Kriminalität im Web bilden. Der normale Nutzer wird auch höchstwahrscheinlich nicht von Stuxnet-artigen Schädlingen betroffen sein. Das Szenario wird vielmehr einem unsichtbaren Kampf gleichen, dessen Episoden nur äußerst selten und wenn, dann zufällig ins Blickfeld der Massenmedien geraten. Die meisten Opfer werden daher nie erfahren, wie und von wem ihnen Schaden zugefügt wurde. Dabei ist die Rede noch nicht einmal unbedingt von Cyberspionage, wie Stuxnet sie betrieben hat. Das generelle Ziel dieser Art von Angriffen werden Informationen jeglicher Art sein.

Stuxnet hat eine neue Ära der Cyberbedrohungen eingeläutet. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung im Jahr 2011 nur ihren Anfang nimmt und erst in den darauffolgenden Jahren zur vollen Entfaltung kommt. Allerdings ist schon jetzt klar, dass durch diese neue Qualität der Attacken und derer, die sie vorbereiten, der Kampf gegen Cyberbedrohungen wesentlich schwerer wird.

Spyware 2.0

Die Zeit ist reif für ein neues Konzept: Spyware 2.0 löst das alte Konzept der Malware 2.0 ab.

Neben Spamversand und Organisation von DDoS-Attacken besteht die Hauptfunktionalität moderner Schadprogramme im Diebstahl von Anwender-Accounts. Im Fokus stehen hier Banken, E-Mail, soziale Netzwerke und vieles mehr. Doch Account-Daten sind bei Weitem nicht alles, und vor allem nicht das Wertvollste, was beim Anwender zu holen ist. Im Jahr 2011 erwarten wir eine neue Klasse von Spionageprogrammen, deren Funktionalität schlicht und einfach darin besteht, alles zu stehlen, was es zu stehlen gibt. Diese Art der Spyware wird sich für den Anwender selbst interessieren – Wohnort, Arbeit, Hobbys, Bekannte, Familienstand und Familie, Haarfarbe, Augenfarbe, Dokumente, Fotos und so weiter. Nichts auf dem infizierten Computer wird vor ihnen sicher sein.

Derartige Daten werden schon jetzt von sozialen Netzwerken und Verkäufern von Internetwerbung gesammelt, denn der Markt dafür existiert. Und wo ein Markt ist, gibt es Nachfrage, lässt sich Geld verdienen. Dabei ist die weitere Verwertung dieser Daten nicht einmal wichtig. Die Hauptsache bei Nachfrage und Angebot besteht darin, dass sich hier Cyberkriminellen eine neue Einnahmequelle eröffnet.

Informationen sind der größte Wert in der heutigen Zeit. Der Interessensbereich derer, die solche Angriffe initiieren, wird sich signifikant erweitern. 2011 wird also auch das Jahr von universellen Allround-Dieben werden

Cyberkriminelle haben in den letzten Jahren einen regelrechten Professionalisierungsprozess durchlaufen. Früher waren neben den Heimanwendern ausschließlich Finanzinstitute und verschiedene Bezahlsysteme für die Cyberkriminellen attraktiv. Heute sind sie technisch so weit fortgeschritten, dass sie sich auf den Markt der Industriespionage, des Betrugs und der Erpressung vorwagen können.

Zusammenfassung der Haupttrends 2011

Der Ausblick auf das Jahr 2011 lässt Schlimmes ahnen. Sicherlich war zu erwarten, dass Cyberkriminalität nicht abnehmen wird – aber nun erreichen die Attacken eine neue Qualität und wir sehen uns einer neuen Professionalität der Cyberkriminellen gegenüber. Hier die Tendenzen im Überblick:

  • Bei der Entwicklung von Schadprogrammen und der Organisation von Cyberattacken treten neue, professionellere Spieler auf den Plan.
  • Schädliche Programme werden nicht mehr nur entwickelt, um damit Geld zu verdienen, sondern vermehrt, um Informationen jeglicher Art zu erhalten.
  • Informationen werden zum Hauptziel von Cyberattacken und gleichzeitig zu einer neuen Einnahmequelle der traditionellen Cyberkriminalität.
  • Sicherheitslücken gehören weiterhin zu den wichtigsten Methoden zur Durchführung von Cyberattacken, wobei sowohl das Spektrum der Schwachstellen erweitert als auch die Ausnutzungs-Geschwindigkeit erhöht werden.
  • Mit Spyware 2.0 wird eine neue Klasse von Schadprogrammen auf den Diebstahl von persönlichen Anwenderdaten (Identitätsdiebstahl) spezialisiert sein, aber auch auf den Diebstahl von allen nur erdenklichen Daten.
  • Spyware 2.0 wird nicht nur ein Werkzeug in den Händen der traditionellen Cyberkriminellen sein, sondern auch von den neuen Profis für Attacken eingesetzt werden.
  • Unternehmen werden vermehrt Opfer von Cyberkriminalität werden.

Das KSN ist eine der wichtigsten Funktionen bei den Produkten für Privatanwender, und Kaspersky Lab arbeitet derzeit an der Integration des Systems in seine Unternehmenslösungen.

Mit Hilfe des Kaspersky Security Network können die Kaspersky-Experten in Echtzeit auf neue Schadprogramme reagieren, für die noch keine Signaturen vorliegen, und die noch nicht heuristisch erfasst sind. KSN macht es möglich, die Verbreitungsquelle von Schadprogrammen im Internet zu lokalisieren und diese für die Anwender zu sperren.

Gleichzeitig verbessert das KSN die Reaktionszeit auf neue Bedrohungen entscheidend. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann die Ausführung eines neuen Schadprogramms auf den Computern der KSN-User innerhalb weniger Sekunden nach Feststellung seines schädlichen Charakters blockiert werden. Anders als bisher ist eine Aktualisierung der Antiviren-Datenbanken dafür nicht mehr nötig.

Der Artikel und Zitate daraus dürfen unter Nennung des Unternehmens Kaspersky Lab sowie des Autors frei veröffentlicht werden.

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