Zwanzigeins statt einundzwanzig: Erste Bilanz

Dass im Deutschen Zahlen zwischen 13 und 99 anders gesprochen als geschrieben werden, geht auf das Indogermanische zurück und ist über 4000 Jahre alt. Damals gab es einfache Schriftzeichen – für jeden Einer einen Strich, für jeden Zehner ein Kreuz, die Einer standen vorne. Die Zahl 13 sah so aus: IIIX. Und sie wurde folgerichtig als „drei-zehn“ ausgesprochen.

Mit dem Siegeszug der arabischen Ziffern in Europa setzte sich auch im indogermanischen Sprachraum die „verdrehte“ Schreibweise durch, nun standen die Zehner vorne. Dem Althochdeutschen bzw. Deutschen verwandte Sprachen änderten im Laufe der Zeit ihre Zahlensprechweise, die Engländer zum Beispiel um 1600, die Norweger erst vor gut 50 Jahren. Die Deutschen waren schon immer etwas langsamer…

In seiner Bilanz, die Zwanzigeins-Gründer Prof. Gerritzen von der RUB nun als Buch vorlegt, kommen auch ausländische Mitbürger zu Wort. Sie berichten über ihre Schwierigkeiten, die deutsche Zahlenschreib- und -sprechweise zu lernen. Eine Dolmetscherin erläutert die Probleme beim simultanen Übersetzen von Zahlen. Andere, teils sehr persönliche Beiträge von Gastautoren erzählen z. B. von „erlebten Missverständnissen aufgrund verdrehter Zahlensprechweise“ (RUB-Altrektor Prof. Knut Ipsen).

Besonderes Augenmerk legt der Band auf empirische Schulversuche und Erfahrungen aus dem Unterricht. Zwei RUB-Absolventen fassen die Ergebnisse ihrer Diplomarbeiten zusammen: Demnach machen Grundschulkinder deutlich weniger Fehler, wenn zum Beispiel Zahlen in der unverdrehten Sprechweise diktiert werden, während bei verdrehter Sprechweise signifikant mehr „Inversionsfehler“ auftreten.

„Die Art, wie an deutschsprachigen Schulen die Zahlensprechweise unterrichtet wird, ist antiquiert und dogmatisch“, sagt Prof. Gerritzen. „Wenn ein Kind die Frage stellt, wieso Zahlen von hinten nach vorne gelesen werden, erhält es keine sachgerechte Antwort. Die Lehrkräfte haben in ihrer Ausbildung dazu nichts vermittelt bekommen und sind im Stich gelassen.“ Bereits im Jahr 1900 hatte der damalige Direktor der Sternwarte Berlin, Wilhelm Förster, eine entsprechende Reform vorgeschlagen.

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