Zwanzig Jahre Würmer

Am Sonntag gab es einen Geburtstag der besonderen Art: Am 2. November 1988 raste der erste Internetwurm durch das Internet. Ein Informatik-Student hatte das Internet vermessen wollen und es damit lahmgelegt. Nach diesem Start war die Entwicklung unaufhaltsam: Heute verteilen sich Würmer über Internetseiten, spionieren Netzwerke aus und infizieren sogar Handys.

Der erste Wurm in der Geschichte des damals noch jungen Internets stammte vom Informatikstudenten Robert Morris. Um die Größe des Webs zu vermessen, schrieb er ein Programm, das sich selbst kopieren und weiter versenden konnte. Dieses sollte selbstständig von Rechner zu Rechner springen und sie dabei zählen. Dabei hatte sich jedoch ein böser Programmierfehler eingeschlichen. Weil der Wurm sich nicht nur einmal auf jedem Rechner niederließ sondern jeden einzelnen Computer gleich mehrfach befiel, sorgte er mit seinen Rückmeldungen an Morris für eine Überlastung des Netzwerks. Morris wurde daraufhin als Erster nach dem „Computer Fraud and Abuse Act“ verurteilt. Da der Wurm jedoch ein Fehler und kein böswilliger Akt war, wurde Morris milde bestraft. Mittlerweile ist er sogar Professor am renommierten Massachusetts Institute of Technology.

Doch was als Fehler begann, wurde im Lauf der Jahre zu einer Dauerbedrohung des Internets. Im Laufe der Jahre sorgten gleich mehrere große Wurm-Epidemien für weltweite Computerprobleme. So verseuchte 2004 der Wurm Mydoom das Internet – und verlangsamte den Gesamt-Datenverkehr um ungefähr zehn Prozent. Das gelang dem Wurm alleine mit einer Verbreitung per E-Mail. Doch heute beschränken sich die vorhanden Würmer nicht nur auf E-Mails, ihre Urheber nutzen auch Chatprotokolle wie ICQ oder soziale Netzwerke wie MySpace oder Facebook für die Verbreitung ihrer Schädlinge.

Bislang dienten Würmer hauptsächlich für Zerstörung und Schabernack – die Belastung durch die wuchernden Programme sollte Server und Netzwerke lahmlegen. Doch gibt es keinen Grund, warum ein Wurm nicht einen Trojaner oder Virus im Gepäck haben sollte. Die rasend schnelle Verbreitung eines Wurms wäre das ideale Vehikel für Cybergangster, die so Millionen Rechner in kürzester Zeit infizieren und ausspionieren könnten. Bisher hält sie von einer solchen Attacke nur die Wachsamkeit von Sicherheitsunternehmen und Betriebssystem-Herstellern ab, die eventuelle Lücken so schnell wie möglich schließen.

Deshalb weichen die Kriminellen einstweilen auf andere Systeme aus. In Russland und China sind bereits Handy-Würmer aufgetaucht. Diese benötigen keine Computer mehr, sondern verbreiten sich über Mobiltelefone. Ausgenommen sind bis jetzt die sogenannten Smartphones, da sich hier die Betriebssysteme zu stark unterscheiden. Mit dem Vormarsch von einheitlichen Systemen wie Googles Android und dem iPhone verschwinden diese Barrieren nach und nach. Für Sicherheitsexperten ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Geräte ins Visier der Kriminellen geraten. Dann laufen die Nutzer auch hier Gefahr, Opfer von Datendieben zu werden.

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