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Vorausschauender Banker

Wie ein Reporter von Softpedia feststellen konnte, bereiten sich auf die unausweichliche Aufhebung der SHA-1-Zertifikate nicht nur Website-Betreiber und Softwareunternehmen vor, sondern auch Cyberkriminelle. Die Forscher von Symantec entdeckten einen Bank-Trojaner mit zweifacher Signatur, und zwar generiert nach SHA-1 und dem Ersatzalgorithmus SHA-256.

Dieser Banker wurde als Carberp-Variante identifiziert; er trat in Spam-Versendungen in geringer Auflage in den USA, Dänemark, Schweden, Israel und Äthiopien in Erscheinung. Nach Angaben der Experten ist das einer der ersten Fälle aus ihrer Praxis, in dem für die Signatur von Schadcode gleich zwei digitale Zertifikate verwendet werden.

Die von Symantec registrierten zielgerichteten Spam-Mails sind an Mitarbeiter aus der Buchhaltung gerichtet und enthalten einen Anhang in Form eines Word-Dokuments mit schädlichem Makro. Bei Aktivierung des Makros wird auf den Computer des Opfers der Ziel-Schädling geladen (von einer IP-Adresse auf Mauritius).

Eine Analyse hat gezeigt, dass diese ausführbare Datei mit zwei erst kürzlich ausgegebenen und gestohlenen Zertifikaten signiert ist, die dem Schädling dabei helfen, der Entdeckung zu entgehen und den Status einer signierten App auch in dem Fall aufrechtzuerhalten, wenn eins der Zertifikate zurückgerufen wird. Eine solche Doublette macht zudem Angriffe auf alle Windows-Systeme möglich, darunter auch Betriebssystemversionen niedriger als XP SP3, die den kryptografischen Standard SHA-2 nicht unterstützen und viele ungepatchte Sicherheitslücken enthalten.

SHA-1 hat sich im vergangenen Herbst endgültig selbst disqualifiziert, als Universitätswissenschaftler bewiesen, dass Angriffe auf diesen Algorithmus nicht mehr fern sind. Gemäß den neuen Anforderungen an Zertifikatsstellen und Browser sollte die Unterstützung von SHA-1 mit dem 1.Januar des laufenden Jahres eingestellt werden. Diese Initiative wurde von vielen Zertifikatsstellen und Anbietern, darunter auch Microsoft, unterstützt, obgleich noch immer neue SHA-1-Zertifikate ausgegeben werden: Die vollständige Umstellung auf SHA-2 könnte bedeuten, dass viele Nutzer keinen Zugriff auf Internet-Ressourcen mehr haben. Offensichtlich spielt das Cyberkriminellen nur in die Hände, obwohl das Beispiel Carberp auch zeigt, dass sie neue Standards schneller adaptieren als einige Website-Betreiber.

Quelle: Softpedia

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