US-Behörden stellen „Waschmaschine“ der Cyberkriminellen ab

Die Bundesbehörden der USA haben fünf Domains des costa-ricanischen Unternehmens Liberty Reserve abgefangen, das auf die Verarbeitung von Bezahlungen, Überweisungen und dem Umtausch virtueller Währung spezialisiert ist. Die Unternehmensleitung wird der kriminellen Absprache, illegaler Finanztätigkeit und der Begünstigung krimineller Elemente beschuldigt, die die Dienste von Liberty Reserve zum Waschen schmutzigen Geldes in Anspruch genommen haben.

Beschuldigt im Fall Liberty Reserve werden sieben Führungskräfte und Funktionäre des Unternehmens. Laut Ermittlungsakten wurde Liberty Reserve von Arthur Budovsky und Vladimir Kas im Jahr 2006 gegründet und hat ohne entsprechende Lizenzen Finanzoperationen durchgeführt. Den Untersuchungsergebnissen zufolge wurden zudem praktisch alle über Liberty Reserve durchgeführten Transaktionen als cyberkriminell eingestuft.

Die Dienstleistungen des Unternehmens wurden von mehr als 1 Million ständigen Kunden in Anspruch genommen, darunter über 200.000 US-Bürger. Von ihnen wurde eine Provision in Höhe von 1% des Wertes der Transaktion eingezogen; die Daten der Kontoinhaber wurden nicht überprüft, was ihnen die Möglichkeit gab, sich unter falschem Namen zu registrieren. Für einzelne Zahlungen wurde den Klienten garantiert, dass die Quelle der Überweisung oder Bezahlung nicht nur für den Empfänger anonym bleibt, sondern auch für die Betreiber des Web-Dienstes. Die Anonymität wurde sogar durch ein zusätzliches Schutzniveau gewährleistet: Gemäß der Politik von Liberty Reserve wurde nur über die zur Nutzung empfohlenen Währungswechsler auf die Kundenkonten zugegriffen, die unter anderem die Ein- und Auszahlungen der elektronischen Währung dieses Unternehmens umsetzten.

Nach Einschätzung der Ermittler führte Liberty Reserve während der Zeit seines Bestehens um die 55 Millionen Transaktionen durch und half kriminellen Elementen Gelder in Höhe von mehr als 6 Milliarden Dollar zu waschen. Laut Fazit der Großen Jury war dieses Geschäft dermaßen erfolgreich, dass das Unternehmen zum „Finanzzentrum der kriminellen Welt wurde, das die Umsetzung verschiedener gesetzeswidriger Aktivitäten online wesentlich erleichtert hat, inklusive Betrügereien mit Kreditkarten, Identitätsdiebstahl, Betrug im Investitionsbereich, Einbrüche in Computerressourcen, Verbreitung von Kinderpornografie und Umschlag von Drogen“.

Soweit bekannt, ist Liberty Reserve bereits das zweite gemeinsame Projekt dieser Art von Budovsky und Kas. Ende des Jahres 2006 wurde das Duett schon einmal der illegalen Bereitstellung von Finanzdienstleistungen auf Grundlage des Unternehmens Gold Age, Inc. beschuldigt: Der Vorgänger von Liberty Reserve war ebenfalls nicht lizenziert. Als sich die amerikanischen Behörden entschlossen, seine Mitinhaber juristisch zur Verantwortung zu ziehen, gründeten Budovsky und Kas ein alternatives Unternehmen auf Costa Rica. Nach einiger Zeit bekamen sie Probleme mit den lokalen Regulatoren, und Liberty Reserve musste einen Antrag auf Registrierung stellen, der im Übrigen auch abgelehnt wurde – aufgrund nicht vorhandener elementarer Mittel zur Verhinderung der Legalisierung illegaler Einnahmen. Ende 2011 erklärten die Gründer von Liberty Reserve, dass sich angeblich ein ausländischer Käufer für ihr Unternehmen gefunden habe. Sie verschwanden daraufhin in den Untergrund und verteilten ihr Geld auf die Konten fiktiver Organisationen. Trotzdem gelang es den costa-ricanischen Behörden, um die 20 Millionen Dollar aus den Aktiva von Liberty Reserve abzufangen.

Jetzt wird den Geschäftsleute nicht nur vorgeworfen, die rechtlichen Grundlagen der Finanzbranche nicht beachtet zu haben, sondern sie werden zudem der bewussten Entwicklung und des Supports eines Web-Dienstes beschuldigt, der den Bedarf von Cyberkriminellen bedient. Die Ermittlungsakten enthalten auch die Aufzeichnung eines Chats zwischen Kas und einem der Manager von Liberty Reserve, in dem sie beide ihre Geschäfte offen als „illegal“ bezeichnen und darüber sprechen, dass „alle in den USA“, das Justizministerium eingeschlossen, wüssten, dass „Liberty Reserve im Wesen ein System zur Geldwäsche ist, das von Hackern genutzt wird.“.

In diesem Verfahren sind sieben Personen angeklagt, die der verbrecherischen Absprache, der Geldwäsche und der Durchführung von Finanztransaktionen ohne entsprechende rechtliche Grundlage beschuldigt werden. Der Gründer von Liberty Reserve, der Geschäftsführer und der Hauptstratege Budkovsky wurden vor kurzem in Spanien festgenommen. Verhaftet wurden zudem seine „rechte Hand“, Kas, der Betreiber des Online-Wechselservices sowie zwei technische Direktoren. Zwei weitere Mitarbeiter aus der Führungsriege sind zurzeit auf Costa-Rica untergetaucht. Laut Gerichtsbeschluss wurden 45 Bankkonten, die mit Liberty Reserve in Verbindung gebracht werden, eingefroren. Auf der Homepage des Unternehmens wurde eine offizielle Mitteilung über die Schließung der Domain platziert. Die amerikanischen Behörden klagen zudem auf die Konfiszierung weiterer 35 Domains, in denen die Wechselstellen dieses Unternehmens fungieren.

Neben den Geheimdiensten der USA waren an den Ermittlungen und den operativen Maßnahmen im Fall Liberty Reserve Strafverfolgungsorgane weiterer 16 Länder beteiligt, darunter Costa-Rica, die Niederlande, Spanien, Marokko, China, Australien, Lettland, Russland und Kanada.

Quelle:  US-Justizministerium

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