„Nigerianische“ Betrüger spionieren Konkurrenz aus

Nach Angaben des bekannten investigativen Journalisten Brian Krebs hat ein Hack des Webdienstes BestRecovery (jetzt PrivateRecovery), der seine Kunden mit Windows-Keyloggern ausstattet, eine Unmenge interessanter, wenn auch absolut vorhersehbarer Fakten eröffnet. Wie sich herausstellte, wird dieser kostenpflichtige Service von mehreren tausend „nigerianischen“ Betrügern genutzt. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass „Nigerianer“ auch häufig in den Opfer-Listen der Leih-Keylogger zu finden sind, denn in den Archiven von BestRecovery wurden auch Berichte über die Arbeit der Tastaturspione gefunden.

Laut Krebs stellt der Untergrund-Webservice seinen Abonnenten gegen Zahlung einer monatlichen Gebühr den Zugriff auf das entsprechende Instrumentarium bereit, sowie Instruktionen zur Personalisierung des Schädlings und zur Tarnung des Schadprogramms als harmloser Bildschirmschoner. Viele Abonnenten nutzen diesen Dienst, um zahlreiche User in verschiedenen Ländern auszuspionieren. Der Schutz von BestRecovery erwies sich als äußerst schwach, daher ist es nicht erstaunlich, dass jeder Interessierte sich ohne große Mühe Zugriff auf die Nutzernamen und Kundendaten des Services verschaffen konnte.

Nach Durchsicht der ihm zur Verfügung gestellten Liste von 3000 BestRecovery-Kunden fiel Krebs sofort auf, dass die meisten von ihnen eindeutig afrikanische Namen haben und eifrige Nutzer des E-Mail-Dienstes Yahoo sind. Um die 10% dieser Adressen hingen mit aktiven Facebook-Accounts zusammen. Eine einfache Internet-Suche nach einigen der Adressen förderte eine Reihe von Beschwerden im Zusammenhang mit Lotteriebetrug, Kontaktanzeigen, Nicht-Zustellung von bezahlten Waren und anderem Online-Betrug zutage.

Eine Vielzahl von IP-Adressen der BestRecovery-Anwender, die in den Protokollen auf dem gehackten Server gespeichert waren, ist nigerianischer Herkunft. In den Listen der Opfer der Kunden-Keylogger fanden sich ebenfalls viele Nigerianer, aber auch Libyer, Türken und Ägypter. Viele infizierte PCs wurden dabei als „Yahoo Boys“ gekennzeichnet. Krebs zufolge werden häufig junge Bürger Nigerias mit diesem Spitznamen belegt, die sich als Studenten mittels verschiedener Spielarten des Cyberbetrugs Geld dazuverdienen.

Der Gerechtigkeit halber muss erwähnt werden, dass die Computer amerikanischer Bürger für die Kunden von BestRecovery nicht von geringerem Interesse sind als die Ressourcen ihrer afrikanischen Kollegen. Wie die Praxis zeigt, haben die „Nigerianer“ bei den Nutzern in den USA ein leichtes Spiel, indem sie ihnen ein märchenhaftes Erbe versprechen oder einen Anteil an fremdem Kapital aus dem Ausland – und im Gegenzug eine kleine Aufwandsentschädigung verlangen. Noch leichter sind die Amerikaner mit dem verlockenden Angebot zu ködern, sich mit einer alten virtuellen Bekanntschaft zu treffen, die zärtliche Gefühle in ihnen geweckt hat. In den Listen der amerikanischen Opfer der Kunden von BestRecovery stieß Krebs recht häufig auf die Notiz „picture“ („Foto“). Es scheint, als würden die Betrüger, die ihr Geld mit virtuellen Bekanntschaften machen, die Computer ihrer „Romeos“ und „Julias“ mit Hilfe der Fotos infizieren, die auf Bitte der von den neuen Bekanntschaften hingerissenen Opfern verschickt werden.

Quelle:
krebs on security

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