Lügendetektor auf Knopfdruck

Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler hat ein Plug-In für Chrome entwickelt, das es ermöglicht, in Gmail automatisch Kettenbriefe, erfundene Gerüchte sowie betrügerische und gefährliche Mitteilungen, die provokative Themen ausnutzen, zu identifizieren.

Ein großer Teil dieses elektronischen Mülls stammt aus vertrauenswürdigen Quellen – er wird von Freunden oder Verwandten verschickt, die irgendwelche „Sensationen“ oder beunruhigende Gerüchte mit ihren Lieben teilen wollen. In den so genannten Kettenbriefen werden die Empfänger zudem aufgefordert, den zweifelhaften Inhalt an ihre Bekannten weiterzuleiten. In den USA werden häufig bekannte Politiker, Stars und Sternchen aus dem Showbiz oder beliebte Sportler zu Helden der Legendenbildung. Sehr beliebt sind in Amerika auch massenhaft verbreitete Mails mit Märchen über Barack Obama: Der Präsident hat Alaska an Russland zurückgegeben; er hat eine der beliebtesten nationalen Traditionen abgeschafft – das Aufstellen eines Weihnachtsbaums vor dem Weißen Haus, usw.

Die Wahrheit lässt sich theoretisch immer relativ einfach ermitteln, indem man zum Beispiel auf einer Nachrichten-Website nachschaut. Der aufgeregte Anwender will sich unterbewusst aber gar nicht von seiner Meinung abbringen lassen. Er klickt vielmehr schnell auch “forward” und schickt die neuste Legende auf ihre lange währende Reise durchs Internet. Ein etwas realistischerer Adressat könnte ihn auf die Erde zurückholen und der Spam-Hysterie ein Ende bereiten, aber dieser möchte seine Zeit nicht mit solchen Dingen verschwenden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, wurde nun eine neue Erweiterung für Chrome geschrieben. Möchte jemand den Wahrheitsgehalt einer via E-Mail verbreiteten Geschichte überprüfen, so muss er nur auf eine einzige Taste drücken, und das Programm stellt die Sache in einem offenen Brief richtig oder gibt einen Link auf eine geprüfte Quelle aus.

Das Plug-In mit der Bezeichnung LazyTruth (“Wahrheit für Faule“) liefert eine Content-Analyse der in Gmail eingehenden Nachrichten und überprüft diese auf der Grundlage von PolitiFact und FactCheck.org – Online-Projekte, die auf die Entlarvung von Mythen und die Widerlegung erlogener Gerüchte spezialisiert sind. Kettenbriefe zeichnen sich nach Aussage der Entwickler durch eine Vielzahl von Ausrufezeichen, Rechtschreibfehler und Anonymität des Absenders aus. In solchen Nachrichten gibt es immer den Zusatz „this is not a hoax!!!!!!!!!“. Die Autoren dieses Projektes planen zudem, feinere Einstellungen einzuführen, die die sprachlichen Unterschiede in der Phrasierung und den nationalen Kontext berücksichtigen. Analoge Erweiterungen werden auch für andere Browser und E-Mail-Dienste geschrieben. Die Entwickler von LazyTruth haben vor, ihre Untersuchungen zum Inhalt von Kettenbriefen, zu ihrer Entwicklung und ihren Verbreitungsmethoden fortzusetzen, und eine Statistik zur Lebensdauer solcher Mails im Netz, zu den Längen von aktiven Ketten und zur Aktivität ihrer Teilnehmer zu erstellen.

Quelle:

niemanlab.org

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.