Letztes Urteil im Fall Innovative Marketing

Ein Bezirksgericht des US-Bundesstaates Maryland hat dem Antrag der US-Handelsbehörde FTC stattgegeben und verfügt, mehr als 163 Millionen Dollar vom letzten Angeklagten im Fall Innovative Marketing (IM) einzuziehen, einer der größten Geschäftsstrukturen, die auf die Verbreitung von gefälschten Antiviren-Lösungen im Internet spezialisiert ist.

Ende des Jahres 2008 klagte die FTC den Vize-Präsidenten der ukrainischen IM-Niederlassung, Kristy Ross, und fünf seiner Komplizen wegen unlauteren Marketings und des Verkaufs von Produkten, die nicht über die angezeigten Merkmale verfügen, an. Laut FTC handelte es sich bei den Angeklagten um Schlüsselfiguren in einem großangelegten Betrugsschema, dem mehr als 1 Millionen Anwender in 60 Ländern zum Opfer gefallen waren. Die gefälschten AV-Programme wurden in Kiew entwickelt und intensiv über Banner im Netz beworben, die auf gemieteten Websites platziert waren. Bei Aktivierung eines solchen Banners wurde der Nutzer auf eine Seite umgeleitet, auf der ein Virenscan vorgetäuscht und daraufhin eine lange Liste mit Schädlingen ausgegeben wurde, die angeblich auf dem System des Anwenders gefunden wurden. Dem verunsicherten User wurde umgehend eine „Desinfektion“ des Computers angeboten, und zwar durch den Kauf eines Schutzprogramms, das sich im Nachhinein als sinnlose Anschaffung erwies.

Die Marketingtätigkeiten von IM, sowie alle anderen Aktivitäten, wurden in großem Stil aufgezogen. Die Betrüger kauften Werbeflächen über ein Netz von Strohmann-Agenturen. Nach Angaben der FTC investierte Ross innerhalb eines Jahres über 3,3 Millionen für die Werbung von WinFixer, WinAntivirus, DriveCleaner und ErrorSafe, die den Nutzern als Allheilmittel gegen alle Bedrohungen angepriesen wurden. Beschwerten sich die Käufer beim Technischen Support von IM, so wurden sie entweder vertröstet, oder erhielten den Rat, alle anderen Schutzlösungen auf dem System zu deaktivieren. Die Call Center von IM waren in den USA, Kanada, Großbritannien, Indien, Polen und Argentinien erreichbar. Die Einnahmen aus dem Verkauf wurden ebenfalls über den gesamten Erdball verstreut – die Gelder wurden z.B. von Kanada nach Bahrain, Singapur, Schweden, Lettland oder in die Ukraine verschoben. Nach Schätzungen von McAfee, die an den Ermittlungen beteiligt waren, betrugen die jährlichen Einnahmen von IM bis zu 180 Millionen Dollar und der internationale Stab des betrügerischen Unternehmens umfasste mehr als 600 Personen.

Die Firma hörte im Juni 2008 auf zu existieren, als sie von der amerikanischen Werbeagentur Gambit Media aufgekauft wurde. Ende desselben Jahres schloss die FTC ihre Ermittlungen ab und klagte im US-Bundesstaat Maryland Klage gegen die Inhaber und ausführenden Personen dieses Betrugsschemas. In der Folge wurden analoge Klagen in anderen Staaten eingereicht.

Im Februar 2009 gewann die FTC in Abwesenheit der Hauptakteure dieser Netzaffäre den Prozess. Die Beklagten wurden zur Zahlung einer Strafe in Höhe von 163 Millionen Dollar verurteilt; zudem wurde ihnen auf unbegrenzte Zeit jegliche Geschäftstätigkeit und Netzaktivität untersagt. Beiden Anführern gelang es, sich dem Gericht zu entziehen: Der eine setzte sich in die Ukraine ab, der andere flüchtete in seine schwedische Heimat. Im Sommer desselben Jahres erklärte sich die FTC bereit, auch den dritten Beschuldigten zur Verantwortung zu ziehen, obgleich dieser sich für bankrott erklärte. Im Januar 2011 wurden zwei weitere Betrüger zur Rechenschaft gezogen, die insgesamt 8,2 Millionen Dollar zu zahlen hatten. Vier Monate später konfiszierten die Bundesbehörden unter Mithilfe ihrer Kollegen aus der Schweiz um die 15 Millionen Dollar, die von einem der Flüchtigen in diesem Land deponiert worden waren. Ob es der FTC gelingt, die Millionenstrafe von Ross zu kassieren, wird die Zukunft zeigen.

Quelle:
ftc.gov

computerworld.com

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