Latentbot – die Backdoor, die sich zwei Jahre im Netz verbarg

Die Forscher von FireEye haben einen neuen modularen, stark obfuskierten Bot mit der Funktionalität einer Backdoor entdeckt, die nur im Arbeitsspeicher existiert und in der Lage ist, ihre Spuren zu verwischen.

„Sie hinterlässt im Netz so gut wie keine Spuren, sie beobachtet und bleibt unbemerkt, sie ist sogar in der Lage, die Festplatte zu beschädigen und den PC damit unbrauchbar zu machen“, so beschreiben die Experten ihren Fund.

Latentbot, wie FireEye den Schädling getauft hat, tauchte vermutlich in der Mitte des Jahres 2013 erstmals im Netz auf und greift Organisationen unterschiedlicher Art in verschiedenen Ländern an. Gegenwärtig werden erfolgreiche Latentbot-Angriffe gegen Unternehmen mit Sitz in den USA, Großbritannien, Südkorea, Brasilien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Kanada, Peru und Polen beobachtet. Die Motive der Cyberkriminellen sind bisher noch unklar, es wurde allerdings festgestellt, dass sie zwar ein breites Spektrum an Zielen angreifen, aber ein besonderes Interesse an Finanz- und Versicherungsorganisationen haben.

Nach Angaben von FireEye wird Latentbot in erster Linie über Spam-Mails mit schädlichem Anhang verbreitet. Normalerweise handelt es sich dabei um ein Word-Dokument mit integriertem Exploit, das mit Hilfe des Tools Microsoft Word Intruder (MWI) erstellt wurde. Bei der Verarbeitung des Exploits wird der RAT-Trojaner LuminosityLink auf die Maschine des Opfers geladen, der Passwörter stehlen, Tastaturanschläge registrieren, Dateien weiterleiten und Mikrofon und Webcam einschalten kann. Den Verbrechern reicht das aber nicht aus und das RAT lädt und installiert auf Befehl Latentbot.

Die Installation des Zielschädlings ist ein vielstufiger Prozess, denn Latentbot wendet mehrere Obfuskationsschichten an. Nach der Dechiffrierung und Bereitstellung löscht der Schädling sorgfältig alle Zeilen im Speicher, die er nicht mehr benötigt. Wie eine Analyse gezeigt hat, bevorzugen die Latentbot-Autoren maßgeschneiderte kryptografische Algorithmen und Protokolle. Bemerkenswert ist auch, dass der Bot nicht auf allen Systemen gestartet wird und den Dienst unter Windows Vista und Windows Server 2008 verweigert.

Die C&C-Infrastruktur von Latentbot befindet sich auf kompromittierten Ressourcen, von denen der Schädling die Plugins lädt: das Hauptmodul Bot_Engine, den Antiviren-Detektor, den RDP-Client, ein nicht standardmäßiges VNC-Modul mit der Funktion eines Keyloggers, das in der Lage ist, auch den MBR zu löschen und das Desktop und die Maus zu blockieren, sowie den Informationsdieb Pony, der in diesem Fall auf den Raub von Kryptowährung ausgerichtet ist. Die modulare Architektur des Schädlings macht den Aktualisierungsprozess wesentlich einfacher.

„Obgleich Latentbot stark obfuskiert ist, ist er aufgrund der zahlreichen Codeeinschleusungen in Prozesse mit Hilfe eines adäquaten Verhaltensanalysers leicht im Speicher zu entdecken“, schlussfolgert FireEye. „Das Verfolgen und Blockieren ausgehender Aufrufe ist ebenfalls obligatorisch, wenn der Schädling das Schutzsystem umgehen konnte.“

Quelle: The Register

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