Europäer im Kampf gegen Vishing

Belgische und niederländische Strafverfolgungsbehörden haben 12 parallele Festnahmen vorgenommen, 15.000 Euro in bar beschlagnahmt und wichtige digitale Beweise für ungesetzliche Aktivität von kriminellen Gruppen gefunden, die Phishing unter Einsatz von IP-Telefonie betreiben (Vishing). Die gemeinsame Operation wurde mit Unterstützung der Agentur Eurojust (Einheit für justizielle Zusammenarbeit der Europäischen Union) und dem Europäischen Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (EC3) durchgeführt, das unter der Ägide von Europol arbeitet. Die Teilnehmer der Operation machen sich nun daran, die Komplizen dieser organisierten Verbrechergruppe in anderen Staaten der Europäischen Union aufzuspüren.

Laut Ermittlungsakten erhielten die in Belgien lebenden potentiellen Opfer zunächst eine gefälschte E-Mail, in der die persönlichen Daten im Namen einer lokalen Bank angefragt wurden. Im zweiten Schritt der Attacke traten die Betrüger, die sich in den Niederlanden befanden, mit dem E-Mail-Empfänger per Telefon in Kontakt und entlockten ihm vertrauliche Informationen. Die so zusammengetragenen Daten wurden in der Folge benutzt, um sich Zugriff auf Bankkonten zu verschaffen und Geld abzuheben. Die Verluste belgischer Banken und ihrer Kunden infolge der Aktivität dieser Gruppe betragen mehrere Millionen Euro.

Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, stellten die Belgier und die Holländer eine Untersuchungsgruppe zusammen, deren gesamten organisatorischen Maßnahmen auf der Grundlage von Eurojust und dem EC3 durchgeführt wurden. Das EC3 leistete den Ermittlern zudem analytische und sachverständige Unterstützung.

Der Vertreter aus Belgien und gleichzeitig Vorsitzender des Eurojust-Kollegiums, Michèle Coninsx, sowie der Assistent des Vertreters der Niederlande, Henri Tillart, sind der einhelligen Meinung, dass „der Erfolg dieser Aktion nur durch die enge Zusammenarbeit mit Europol und der Schaffung einer gemeinsamen Untersuchungsgruppe möglich war.“ Beide unterstrichen zudem: „Die verlässliche Unterstützung, die Eurojust diesen Gruppen leistet, ist im Kampf gegen neu aufkommende Formen der organisierten grenzübergreifenden Kriminalität von außerordentlicher Wichtigkeit.“

Der Kreuzzug der Europäer gegen das Vishing fiel zeitlich zusammen mit einer neuen Welle dieser recht seltenen, jedoch überaus effektiven Attacken, unter denen Dutzende Banken weltweit zu leiden haben. Europol und Eurojust rufen die Bürger zu äußerster Vorsicht auf und empfehlen dringend, sich bei verdächtigen Anrufen zunächst mit allen Mitteln davon zu überzeugen, dass der Anrufer tatsächlich der ist, der er zu sein scheint. Unbekannten seine PIN, sein Kennwort und andere persönliche Daten mitzuteilen, ist sehr gefährlich, zumal kein legitimes Unternehmen derartige Informationen jemals per Mail oder am Telefon abfragen würde.

Quelle: Europol

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.