Citadel greift japanische Nutzer an

Seit Anfang Juni beobachtet Trend Micro auf japanischem Gebiet eine Zunahme der Aktivität einer ZeuS-Modifikation, die unter dem Namen Citadel bekannt ist. Die aktualisierten Versionen dieses Bank-Trojaners haben es in erster Linie auf die Kontodaten von Kunden lokaler Banken und anderer Finanzorganisationen abgesehen, aber auch auf die Registrierungsdaten für in diesem Land beliebten E-Mail-Dienste, wie etwa Gmail, Yahoo! Japan mail und Hotmail.

„Wir haben nicht weniger als neun IP-Adressen identifiziert, auf denen C&C-Server [des neuen Botnetzes] platziert waren.“, heißt es in einem kurzen Bericht über die Ergebnisse eines Monitorings, der im Blog von Trend Micro veröffentlicht wurde. „Die meisten von ihnen sind in Europa oder Amerika gemeldet. Das von uns durchgeführte Monitoring hat zudem gezeigt, dass 96% der Verbindungen mit diesen Servern von japanischem Territorium ausgehen.“

Innerhalb von sechs Tagen zählten die Experten mindestens 20.000 IP-Adressen, von denen Verbindungsversuche mit den registrierten C&C unternommen wurden. Die angegriffenen japanischen Banken und Finanzinstitute haben für ihre Kunden bereits entsprechende Warnmeldungen sowie Informationsmaterial herausgegeben. Trend Micro schließt nicht aus, dass eine neue Angriffswelle von Citadel bald auch Westeuropa erreichen könnte.

Die erneute Expansion der SaaS-Spielart von ZeuS zeigt überzeugend, dass alle Versuche, diesen gefährlichen Trojaner zur Strecke zu bringen, wie etwa die Aktion von Microsoft und dem FBI im vergangenen Jahr, die Aktivität des Schädlings nur kurzfristig zum Erliegen bringen können. Der offene Charakter des Citadel-Projekts und die Tatsache, dass Linker des Bankers frei zum Verkauf angeboten werden, ermöglichen es den Cyberkriminellen, neue, optimierte Versionen dieses Schädlings zu züchten und in Umlauf zu bringen.

Was den oben erwähnten Versuch von Microsoft betrifft, mit einem Schlag 1.400 auf Citadel basierende Botnetze zu neutralisieren, so hat diese Aktion laut Einschätzung des Unternehmens dazu beigetragen, die Einsatzkräfte des Schädlings deutlich zu verringern. Zwei Monate nach diesem denkwürdigen Ereignis konnten die Experten von Microsoft äußerst zufrieden feststellen, dass es ihnen gelungen war, 88% der zu dem Zeitpunkt existierenden Citadel-Botnetze unschädlich zu machen und um die 40% der zu ihnen gehörenden infizierten Computer zu säubern. Trotzdem ist den Initiatoren der Anti-Citadel-Kampagne aus dem Vorjahr nur allzu bewusst, dass es ihnen nicht gelingen wird, diese mächtige Schädlingsarmee vollständig zu zerschlagen, so dass sie sich diese Aufgabe auch gar nicht erst stellen. Sophos wies damals darauf hin, dass die meisten von dem Unternehmen beobachteten C&C-Domains von Citadel nach wie vor aktiv sind. Überdies stellte sich heraus, dass auf 25% der von Microsoft deaktivierten Domains Sinkhole-Server zu Forschungszwecken platziert worden waren, und zwar von Sicherheitsexperten, die angesichts ihres Verlustes, milde ausgedrückt, recht enttäuscht waren.

Quelle:
The Register

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