Winlocker-Prozess – Wetten dass!?

In der Geschichte der Blocker-Trojaner (Winlock usw.) gibt es nun eine Fortsetzung mit vielen interessanten Neuigkeiten. Dieser Schädling (oder besser gesagt seine unzähligen Varianten) blockierte Windows und verlangte für die Aufhebung der Sperre die Versendung einer SMS an eine kostenpflichtige Kurznummer. So modern ist die Internet-Abzocke heutzutage.

Nun denn, die Angelegenheit landete bei der Generalstaatsanwaltschaft, Verdächtige wurden ausgemacht, festgesetzt und demnächst stehen sie in Moskau vor Gericht.

Die „Gesamteinnahmen“ der Betrüger werden auf 790.000 Rubel (in etwa 20.200 €) geschätzt. Darüber hinaus war auch der indirekte Schaden nicht unerheblich: Eine unbestimmte Zahl von Privat- und Unternehmensrechnern wurde außer Gefecht gesetzt und konnte zum Teil nur durch eine komplette Neuinstallation der Software und eine Wiederherstellung der Daten mit Hilfe von Backups wieder zum Laufen gebracht werden.

Minütlich laufen hier in Moskau neue Informationen zu diesem Thema ein und so langsam nimmt die ganze Geschichte Gestalt an. In Moskau wurden 10 Personen verhaftet. Die Cyberkriminellen waren ungefähr ein Jahr lang aktiv und erzielten nach Einschätzungen der Ermittler illegale Einnahmen von mehr als 500 Millionen Rubel (knapp 12,8 Millionen Euro).

Doch mir geht es hier rein gar nicht um die Enthüllungen, die Verhaftung und das ganze andere Drumherum. Mir geht es allein um die Resultate, das heißt konkret: um die möglichen Varianten, diesen Fall zum Abschluss zu bringen.

Wir haben es hierbei ganz gewiss nicht mit dem ersten „Computer“-Fall in Russland zu tun. Ja, es wird gestohlen, und ja – manchmal werden die Verbrecher auch dingfest gemacht. Und ja, manchmal wird ihnen sogar der Prozess gemacht. Und sie werden – wie auch in diesem Fall – nicht nur wegen eines Vergehens gegen den „Computer“-Artikel 273 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation („Entwicklung, Verwendung und Verbreitung von Computer-Schadprogrammen“) — angeklagt. Sondern auf der Grundlage „gewichtigerer“ Gesetzesartikel, wie z.B. Artikel 159 – Betrug –, nach dem die Strafe bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug betragen kann, wenn es sich um eine „Gruppe von Personen“ und einen Betrug „in besonders großem Maßstab“ handelt.

Wenn also Verbrechen ähnlichen Ausmaßes (hunderttausende Rubel) in der „realen Welt“ garantiert mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden, so sieht es doch bei IT-Verbrechen bedeutend gemütlicher aus. Ich weiß nicht, was die Richter dazu bewegt, aber häufig kommen Cyberkriminelle in Russland( und nicht nur hier) selbst für bedeutend höhere Summen mit weitaus milderen Urteilen davon (wie zum Beispiel im Fall des ATM-Trojaners). Entweder haben die Richter Mitleid mit den „Computer-Kids“ oder sie halten „Internet-Geld“ nicht für echtes Geld und dementsprechend Internet-Verbrechen auch nicht für wirkliche Verbrechen — ich weiß es einfach nicht… Doch irgendetwas sagt mir, dass auch diese Sache wieder mal mit einem „…auf Bewährung“ enden wird. Und ich werde mir von A. wieder einmal anhören müssen, „dass wir wohl offensichtlich in der falsche Brache sind“. Und die Ermittler werden wieder einmal fluchen und sich einen hinter die Binde kippen… (denn kaum etwas ist demotivierender für sie, als wenn ihre „Schützlinge“ eine Bewährungsstrafe erhalten).

Ich denke darüber nach, Wetten entgegenzunehmen – und zwar darauf, wie genau das Urteil im Fall der Winlocker lauten wird.

  1. Freispruch.
  2. Zwei Jahre auf Bewährung.
  3. Drei Jahre auf Bewährung.
  4. Ein Jahr Freiheitsentzug.
  5. Zwei Jahre Freiheitsentzug und mehr.

Ich tippe auf Nummer 3.

P.S. Soeben wurde die Geschichte fortgesetzt. Im Rahmen der Ermittlungen zu diesem Fall wird nun auch einer der „größten Content-Provider“ zur Verantwortung gezogen.

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