Polyglotte „Nigerianer“

Wir lassen uns nicht mehr von elektronischen Mitteilungen umhauen, in denen Bankangestellte oder ein vor einem Staatsstreich flüchtender Millionär gegen Zahlung eines gewissen Prozentsatzes den Empfänger bittet, ihm dabei zu helfen, eine nicht unwesentliche Summe inoffiziell außer Landes zu schaffen. Die meisten derartigen Mails sind in englischer Sprache geschrieben, der Sprache, die schon seit langem der internationalen Verständigung dient, weshalb auch Cyberkriminelle ihre Mitteilungen nur selten in anderen Sprachen verfassen, wie etwa Portugiesisch, Französisch, Spanisch, Russisch usw. Doch alles ändert sich einmal und nun haben wir es immer häufiger mit Mails nicht nur in den oben aufgezählten Sprachen zu tun, sondern auch mit Schreiben auf Hebräisch, Weißrussisch und Arabisch.

So zum Beispiel eine Benachrichtigung über den Gewinn in einer gewissen „australischen Lotterie“, an der Bewohner mehrerer Kontinente teilgenommen haben. Diese Nachricht ist in arabischer Sprache verfasst, wobei ein klassisches Betrugsschema zum Einsatz kommt: Dem Empfänger wird mitgeteilt, dass er zufällig unter Millionen von Menschen ausgewählt wurde und somit zum Gewinner einer märchenhaften Summe geworden ist, die er angeblich erhält, nachdem er sich mit den Betrügern in Verbindung gesetzt hat.

 

Und in diesem Schreiben auf Hebräisch schlägt ein Bankangestellter vor, das millionenschwere Vermögen eines Kunden aufzuteilen, der bei einem Unfall ums Leben gekommen ist.

 

In der Mail in weißrussischer Sprache geht es ebenfalls um einen verschiedenen Millionär, von dessen Verwandten vorgeschlagen wird, sich als Erbe zur Verfügung zu stellen.

 

Zur Übertragung ihrer Versendungen in andere Sprachen greifen Betrüger häufig auf die Dienste automatischer Übersetzungsprogramme zurück, daher kann der Sinn eines Satzes, den sie ihrem Opfer zu vermitteln versuchen, durchaus schon mal entstellt rüberkommen. Beim Verfassen des Schreibens versuchen die Verbrecher nicht einmal, eventuelle nationale Besonderheiten zu berücksichtigen und kommen immer wieder mit derselben Geschichte vom verstorbenen kinderlosen Millionär und belassen es dabei, ihren Text in die nötige Sprache zu übersetzen. Sollten Sie ein derartiges Schreiben in Ihrer Muttersprache erhalten und einige Ungereimtheiten entdecken, so können Sie sich gern über die Versuche der Cyberkriminellen amüsieren, sich als polyglott hinzustellen, weitere Aufmerksamkeit sollten Sie ihren grandiosen Versprechen allerdings nicht schenken. Denn wie verlockend eine Summe auch immer sein mag und welcher Sprache sich die Verbrecher auch bedienen mögen – Betrug bleibt nun mal Betrug.

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