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Malware obfuscation contest

Über den so genannten Malware-Obfuskations-Wettbwerb, den „Race to Zero Contest“, gehen die Meinungen schon im Vorfeld weit auseinander.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist eine Sache entweder ethisch vertretbar oder sie ist es eben nicht – und ich halte die Entwicklung neuer Malware zur Umgehung von Sicherheitsprodukten „nur so zum Spaß“ ganz und gar nicht für richtig!

Wir Antivirenforscher haben die Entwicklung neuer Malware immer unter allen Umständen bekämpft. Die einzige Erklärung für die Entwicklung von Schadprogrammen in Testumgebungen – „Wir müssen neue Samples entwickeln, um die Angriffsmethoden im Detail untersuchen zu können“ – klang schon immer wenig plausibel.

Seien wir doch mal realistisch: Täglich stoßen wir auf tausende von neuen Samples – wir haben also mehr als genug ‘echte’ Malware, die wir untersuchen können, um unsere Technologien zu verbessern. Wenn diese Erklärung also irgendwann einmal „vielleicht-unter-Umständen-im-Ausnahmefall-aktzeptabel“ war, so ist sie es im Jahr 2008 eindeutig NICHT mehr.

Die Behauptung, der signaturbasierte Antivirus sei tot – heute müsse man sich auf heuristische, statistische und verhaltensbasierte Techniken konzentrieren, um neue Bedrohungen zu identifizieren, ist nichts weiter als ein billiger Gag. Niemand – vor allem niemand in der AV-Industrie – verlässt sich allein auf die signaturbasierte Erkennung. Und zwar schon seit Jahren nicht mehr. Es sieht aber in der Tat so aus, als würden die meisten (sprich alle) AV-Scanner die ‘Tests’ in diesem ‘Wettbewerb’ nicht bestehen, da es nicht schwer ist, signaturbasierte Scanner und statistische Heuristikmethoden auszutricksen.

Das ist eine klare Botschaft an tausende von Cyberkriminellen, nämlich: „Konzentriert Euch mehr auf Obfuskation“. Dieser so genannte Wettbewerb wird also Cyberkriminelle dazu animieren, neue Obfuskations-Technologien zu erforschen und zu entwickeln. Da sie das sowieso bereits tun, werden sie in dieser Richtung nur noch weiter bestärkt. Nein danke, Virenlabs sind auf eine solche Animation nicht angewiesen – wir haben auch so genug zu tun.

In den meisten öffentlichen Äußerungen wird dieser Wettbewerb als eine Art Produkttest bezeichnet. Falsch!!

Antiviren-Tests müssen, wie alle anderen Produkttests auch, von speziell ausgebildeten Profis, wie etwa Andreas Clementi, Andreas Marx oder Virus Bulletin, unter fairen, moralisch vertretbaren Bedingungen wissenschaftlich korrekt durchgeführt werden. So laufen die Dinge in einer seriösen Branche.

Der Race to Zero/DefCon ‚Contest‘

wird NICHT von professionellen Testern durchgeführt – kein Kommentar.
ist NICHT fair – es gibt bisher keine öffentlichen Kontakte zu AV-Anbietern.
ist NICHT wissenschaftlich – der Testaufbau ist nicht klar beschrieben.
Ist – last, but not least – 100%ig NICHT ethisch vertretbar! Die Entwicklung von Malware ist ein
Verbrechen. Ende der Durchsage.

Und schließlich – wie steht’s mit dem US Federal Computer Act?? Und anderen Gesetzen? Ist dieser ‚Wettbewerb’ in den USA überhaupt legal? Ist sich die zuständige Behörde zur Aufdeckung von E-Verbrechen dessen überhaupt bewusst?

Es läuft also alles auf die Frage hinaus, ob wir öffentliche und unstrukturierte ‘Wettbewerbe’ brauchen, um kriminelle Technologien zu testen, die von nicht befugten Personen durchgeführt werden. Wie wär’s mit einem ‚Banküberfall-Wettbewerb’, um die Sicherheitssysteme von Banken zu testen? Oder vielleicht einem ‚Drogenhandels-Contest in Schulen’, um die Drogenfahndung auf den Prüfstand zu stellen?

Man kann alles so weit auf die Spitze treiben, bis es lächerlich wird – Codeanalyse eingeschlossen. Wir sollten alle einmal tief durchatmen und uns dann wieder auf die Entwicklung von Schutz-Technologien konzentrieren, und nicht auf das Modifizieren von Malware just for fun.

Malware obfuscation contest

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