Laut Anklage trackt Disney Kinder illegal via Apps

Die Walt Disney Company verteidigt sich diese Woche gegen die Anschuldigung, die Apps des Unternehmens würden die persönlichen Informationen von Kindern nicht ausreichend schützen. Dieser Schritt ist eine Reaktion auf eine Sammelklage gegen das Unternehmen und vier andere Firmen, die die Apps produzieren.

Laut Anklageschrift (.PDF) reichten Amanda Rushing und ihr Kind die Klage am Donnerstag am United States District Court for the Northern District of California in ihrem eigenen Namen und im Namen anderer ein. Die Beklagten – die Walt Disney Company, Disney Electronic Content, Upsight, eine Analyse- und Marketing-Plattform für mobile Apps, Unity Technologies, ein Entwickler von Videospielen sowie Kochava, eine mobile Analyse-Plattform – werden beschuldigt, gegen das ‚Gesetz der Privatsphäre von Kindern im Internet‘ (Children’s Online Privacy Protection Act, COPPA) der Federal Trade Commission (FTC) verstoßen zu haben.

Sie behaupten, dass Disney Nutzer verfolge, auch solche unter 13 Jahren, und zwar mit Hilfe von Apps im Internet, mit Hilfe einer Reihe von spezialisierter werbender Software Development Kits oder anderer SDKs.

Die SDKs, die in den den Apps zugrundeliegenden Code integriert sind, zapfen Daten ab, wie etwa persönliche Geräte-IDs, die mit Kindern in Verbindung gebracht werden. Diese Informationen werden traditionell selbstverständlich an Dritte weiterverkauft, um Verhaltensprofile und Werbeschemata zu erstellen.

Das ist insbesondere der Fall bei Disney Princess Palace Pets, einer App für Android- und Apple-Geräte von Disney, die im Mittelpunkt des Prozesses steht.

Rushing behauptet, ihre Tochter – in der Sammelklage „L.L.“ genannt – habe die App in einem Alter von unter 13 Jahren benutzt. In der Klage heißt es, das Spiel, in dem der Nutzer 10 unterschiedliche Haustiere „striegeln, baden, mit Accessoires ausstatten und mit ihnen spielen“ kann, sei eindeutig auf Kinder unter diesem Alter ausgerichtet.

In der Klageschrift heißt es weiter, dass Disney und die Mitangeklagten persönliche Daten der Kinder ohne Einverständnis der Eltern gesammelt haben. Es habe in der App keine Hinweise oder Mechanismen gegeben, die die Kläger dazu aufgefordert hätten, ihre Zustimmung zu geben, heißt es weiter.

COPPA verlangt von Unternehmen, direkt das elterliche Einverständnis einzuholen, wenn die persönlichen Informationen eines Kindes, persönliche ID eingeschlossen, gesammelt, veröffentlicht oder verwendet werden.

„Indem Disney die verhaltensbasierten Werbe-SDKs der Beklagten in die auf Kinder ausgerichteten Apps integriert und erlaubt hat, die Kinder durch das Sammeln, Verwenden oder Veröffentlichen ihrer Persistent Identifier ohne nachweisbare Zustimmung der Eltern zu tracken, hat das Unternehmen gegen den COPPA verstoßen“, heißt es in der Anklageschrift.

Disney Palace Pets ist nicht die einzige App, die sich angeblich des Nutzer-Trackings schuldig gemacht hat. Eine Reihe von fast 50 anderen Apps, wie z.B. Disney Princess: Charmed Adventures, Club Penguin Island und Disney Emoji Blitz, enthalten ebenfalls verhaltensbasierte Werbe-SDKs, die von Unternehmen unterhalten werden, wie etwa Upsight, Unity und Kochava, die auf ganz ähnliche Weise funktionieren“, heißt es weiter in der Klageschrift.

Michael Sobol, Anwalt bei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein LLP und Verfasser der Klageschrift, schreibt, dass Rushing in dem Verhalten von Disney nicht nur eine Verletzung des COPPA sieht, sondern es auch als hochgradig anstößig und als ein Eindringen in die Privatsphäre ihres Kindes betrachtet.

Die Walt Disney Company erklärt in einem Statement, das Threatpost am Montagabend zugetragen wurde, das Unternehmen stimme der Klage nicht zu und werde vor Gericht dagegen angehen.

„Disney hat ein stabiles COPPA-Compliance-Programm und strenge Policies zum Sammeln und Verwenden von Daten für Disney-Apps, die für Kinder und Familien entwickelt wurden. Die Klage basiert auf einer fundamentalen Fehlauslegung der COPPA-Prinzipien und wir freuen uns darauf, uns vor Gericht gegen diese Anklage zu verteidigen“, sagte Disney.

Es ist nicht die erste Klage, die Disney trifft.

Playdom, ein Online-Gaming-Startup, das Disney im Jahr 2010 aufgekauft hatte, musste im Jahr 2011 eine Strafe in Höhe von 3 Million Dollar für das Sammeln von Informationen auf Hundertausenden von Websites mit virtuellen Welten zahlen. Diese Summe war für Disney freilich nur ein Tropfen auf den heißen Stein; das Unternehmen hatte über 763 Millionen Dollar für die Übernahme von Playdom gezahlt – nur wenige Monate, bevor es der Vereinbarung zustimmte.

Das Center for Digital Democracy stellte Disney im Jahr 2013 zur Rede, nachdem die Website des Unternehmens MarvelKids.com es versäumt hatte, das Einverständnis der Eltern von Kindern unter 13 Jahren einzuholen, bevor sie persönliche Daten über die Kinder verfolgt und sammelt.

Disney erklärte, dass es zu der Zeit persönliche Informationen – in manchen Fällen den Standort und die Persistent Identifier – für interne Zwecke gesammelt habe, doch diese Begründung ließ das CDD nicht gelten und reichte im Dezember desselben Jahres Beschwerde bei der Federal Trade Commission ein. Kurz darauf aktualisierte Disney die Datenschutz-Policy der Website, aber in den Augen des Centers war das nicht ausreichend und es reichte eine Folge-Klage im März ein, wobei es eindringlich darauf hinwies, dass das Unternehmen mehr tun müsse, um Eltern zu stärken und die Privatsphäre von Kindern zu schützen.

Quelle: Threatpost

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