Der C64 wird 25

Bei Non-Windows-Malware denken die meisten sogleich an Linux, MacOS X und Co – alles moderner Schnickschnack. DennAnfang dieser Woche fand sich in Mountain View IT-Prominzenz wie Steve Wozniak (Apple-Mitbegründer) und Jack Tramiel (ehemals Technischer Leiter bei Commodore und später Chef von Atari) ein, um den 25. Geburtstag des Computer-Urgesteins Commodore 64 zu zelebrieren.

Was viele nicht wissen: Auch auf dem in Würde ergrauten 8-Bitter gab es Computerviren. Doch auch wenn der Basic-Interpreter des C64 von Microsoft stammte, trifft die Redmonder diesmal keine Schuld – denn damals wurden die meisten Programme noch in reinstem Assembler geschrieben.

Bereits 1986 wurde der „BHP“-Virus vermutlich von der Hackergruppe „Bayrische Hacker Post“ entwickelt. In unregelmäßigen Abständen brachte er den Bildschirm zum flackern und begrüßte das Opfer mit dem Hinweis „HALLO DICKERCHEN, DIES IST EIN ECHTER VIRUS!“ (siehe Screenshot) – gefolgt von einer Seriennummer, die mit jeder Infektion weiter hochgezählt wurde. Der Virus bog darüber hinaus eine ganze Reihe von Interrupts um, und überstand somit auch einen Reset ohne weiteres.

Der bösartigste C64-Virus jedoch war „H.I.V“, der vermutlich erst Mitte der Neunziger das Licht der Welt erblickte: Er nistete sich nicht nur im RAM des Rechners und auf eingelegten Disketten ein, sondern kopierte sich zusätzlich in den Arbeitsspeicher des Diskettenlaufwerks (C64-Diskettenlaufwerke verfügten über eine eigene CPU und eigenen Arbeitsspeicher). So reichte es nicht mehr aus, den C64 neu zu starten – auch das externe Diskettenlaufwerk musste ausgeschaltet werden, um zumindest den Arbeitsspeicher zu säubern.

Doch trotz der großen Verbreitung des C64 über einen langen Zeitraum und eines regen Diskettenaustauschs auf Schulhöfen (den Vorläufern der heutigen P2P-Tauschbörsen) war Malware auf diesem Rechner nie ein ernsthaftes Thema: Bis heute sind für den C64 gerade einmal sieben Schädlinge bekannt – nicht besonders viel für einen Zeitraum von 25 Jahren. Zwar gab es auch damals schon Desinfektionsprogramme, doch diese galten eher als Kuriositäten, da es äußerst selten war, dass man überhaupt mal einen Virus in die Hände bekam. Das sollte sich mit dem später veröffentlichten Commodore-Flagschiff „Amiga“ ändern. Doch das ist eine andere Geschichte, und soll eine anderes Mal erzählt werden – vielleicht in drei Jahren, wenn er 25 wird.

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