Cyberkrieg zwischen Sunniten und Schiiten

Zwischen sunnitischen und schiitischen Hackern ist offensichtlich ein Cyber-Krieg im Gange. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al-Arabiya wurden während der vergangenen drei Wochen etwa 1200 Websites zum Ziel von Angriffen. Darunter findet sich auch die Webseite von Al-Arabiya als bislang prominentestes Opfer der Cyber-Angriffe, die offensichtlich durch Spannungen zwischen den beiden islamischen Glaubensgemeinschaften motiviert sind.

Am vergangenen Freitag war auf der Webseite des Senders eine brennende israelische Flagge zu sehen sowie eine Drohung und eine Liste von 100 ebenfalls angegriffenen sunnitischen Seiten. Wie die britische Tageszeitung The Guardian am heutigen Montag berichtet, war der Sender gezwungen, seinen Domainnamen zu ändern. Al-Arabiya will nun in den USA gerichtlich gegen die Angreifer vorgehen. Die Domain www.alarabiya.net ist bei Network Solutions registriert. Am vergangenen Donnerstag war es Unbekannten gelungen, den Domainnamen über den US-amerikanischen Registrar GoDaddy neu zu registrieren.

Zwar konnten die Unbekannten nach Angaben des Fernsehsenders „keine Kontrolle über die Inhalte“ erlangen, über die geänderte Domain wohl aber ihre Drohbotschaft lancieren. „Sollten Angriffe auf sunnitische Webseiten weitergehen, wird keiner eurer Webseiten sicher sein“, lasen Besucher von alarabiya.net unter dem Bild einer brennenden israelischen Flagge. Nach einigen Stunden wurde diese Botschaft durch das Foto eines Leoparden und die Namen der Übeltäter ersetzt.

Wer für die Entführung der Seite verantwortlich ist, bleibt gleichwohl unklar. Ein Bekennerschreiben, das an die Zeitung Gulf News gesandt wurde, bestätigt allerdings nur die Annahme, dass sich Schiiten und Sunniten seit einiger Zeit im Netz eine Auseinandersetzung liefern, die sich auch in der virtuellen Sphäre durch eine Serie aufeinanderfolgender Racheaktionen kennzeichnet. In dem Schreiben wurde der Sender, der in Dubai stationiert ist, als „Wahhabi-Kanal“ bezeichnet, der einen Krieg mit Schiiten beginnen wolle. Wahhabisten folgen jener besonders strengen sunnitischen Interpretation des wahrhaft islamischen Lebens, die in Saudi-Arabien regiert.

Nach Angaben von Al-Arabiya soll eine sunnitische Crackergruppe namens Ghoroub X.P. während des Ramadans im September etwa 300 vorwiegend religiöse schiitische Webseiten angegriffen haben, dem folgten dann Vergeltungsanschläge auf 900 sunnitische Webseiten. Wie Gulf News berichtet, soll der Leiter der Dubai Media City bereits im Juni einen Brief an den Direktor von Al-Arabiya geschickt haben, in dem er den Sender um Neutralität in Fragen der Religion und der Spannungen zwischen den beiden größten islamischen Gruppierungen gebeten habe.

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