Cybererpressung in Europa: Die Bedrohung nimmt zu

Das unter der Ägide von Europol arbeitende EC3 (Europäisches Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität) hat seine Einschätzungen zum Grad der Bedrohung veröffentlicht, die von Erpressersoftware (Ransomware) ausgeht. Die Untersuchung wurde durchgeführt im Rahmen einer neuen Initiative zur verbesserten Aufklärung europäischer Nutzer über moderne Erpressungsschemata unter Einsatz von Schadprogrammen sowie zur Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen die Autoren solcher Schemata. Die Initiative wurde gemeinsam mit dem niederländischen National High Tech Crime Unit, NHTCU, auf den Weg gebracht.

Laut Einschätzungen des EC3 zeigt die Zahl der Ransomware-Attacken in der Europäischen Union sowie weltweit ein exponentielles Wachstum. Der derzeit am weitesten verbreitete Typ von Erpressersoftware sind die so genannten Polizei-Viren, die den Zugriff auf das System blockieren und einen Bildschirmschoner mit einer gefälschten Mitteilung über einen Rechtsbruch anzeigen, der angeblich von dem Opfer begangen wurde. Üblicherweise beschuldigen die Cyberkriminellen ihr Opfer, verbotenen oder nicht lizenzierten Content heruntergeladen zu haben und fordern die Zahlung einer „Strafe“ für die Entsperrung des Systems. Ein klassischer Vertreter solcher Blocker ist der Schädling Reveton.

Die zunehmende Popularität von Erpressungen unter Beteiligung von Polizei-Viren hat zur Folge, dass auf dem Schwarzmarkt nun fertige Kits zur Durchführung solcher Attacken angeboten werden und auch die Untergrund-Dienstleister zunehmen, die die Verbreitung der Schädlinge und das Geldwaschen erleichtern. Die genaue Zahl der Opfer von Polizei-Viren in der Europäischen Union zu bestimmen ist nach Aussage der Forscher schwierig. Verschiedenen Einschätzungen zufolge haben diese Blocker Millionen von Anwendercomputern infiziert und erfolgreich zehntausende Bürger über den Tisch gezogen, was ihren Besitzern Millionen Euro in die Taschen spülte.

Die Experten vom ЕС3 haben zudem einen vermehrten Einsatz von Verschlüsselungsblockern, wie etwa CryptoLocker, beobachtet. Diese Erpresser stellen eine noch größere Bedrohung dar: Sie verschlüsseln Dateien und fordern Lösegeld. Wird es nicht gezahlt, so droht der vollständige Verlust wichtiger Informationen.

„Leider wird die Zahl der Attacken mit Beteiligung von Erpresserprogrammen weiter steigen“, kommentiert der Chef des ЕС3, Troels Oerting. „Sie sind die „Melkkuh“ der Cyberkriminalität, die Programme sind einfach im Gebrauch und es ist schwer, sich vor ihnen zu schützen. Opfer sind unschuldige Anwender, nicht nur die Besitzer von Heimcomputern, sondern auch Business-Strukturen und Vertreter des staatlichen Sektors. Das ЕС3 wird die Strafverfolgungsorgane der EU-Mitgliedsstaaten auch weiterhin in ihrem Kampf gegen diese Cyberverbrecher unterstützen und ihnen helfen, die auf illegalem Wege erzielten Einnahmen zu identifizieren. Wir alle stehen in der Pflicht, die Internetnutzer besser aufzuklären, um unangenehme Folgen zu vermeiden, und ihnen beizubringen, einige simple Regeln zu befolgen, unter anderem die Erstellung einer Sicherungskopie.“

Quelle: Europol

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