Conficker: Millionen PCs in Wartestellung für großen Angriff?

Er dürfte sich in eine Linie mit Viren-„Stars“ wie Sasser, Netsky oder Loveletter reihen, denn Wurm Conficker brachte es von 2,5 Millionen infizierten PCs am 14. Jänner zu mittlerweile über 9 Millionen befallenen Rechnen. Dabei verbreitet er sich noch nicht einmal über Websites oder E-Mails, sondern attackiert Netzwerke und dringt über infizierte Notebooks und USB-Sticks ein. Die wichtigste Frage konnten Sicherheits-Experten allerdings noch nicht beantworten: was will Conficker?

Die erste Version wurde bereits Ende November 2008 gesichtet, mittlerweile hat sich die Familie des auch Downadup genannten Schädlings vergrößert. Der Wurm nutzt eine Schwachstelle in Windows aus, für die Microsoft bereits im Oktober einen Patch zur Verfügung gestellt und auch das Viren-Entfernungs-Tools angepasst hat. Wer ihn hat, kann ihn damit entfernen. Wer ihn noch nicht hat, kann sich mit einem Update und weiteren Maßnahmen schützen (Cert.at bietet dazu einen regelmäßig aktualisierten Artikel mit Hilfestellungen). Und dennoch breitet sich der Wurm rasanter aus, als man es von Viren in den vergangenen Jahren gekannt hat.

Aufgrund der Verbreitungsmethode von Conficker sind vor allem Unternehmensnetzwerke betroffen. Da ist es jedoch oft schwierig Patches zeitgerecht einzuspielen, denn auch diese müssen erst geprüft werden, ob sie ordentlich funktionieren und nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Bei einem Virenausbruch im Ausmaß von Conficker kann das besonders unangenehm werden. In der Kärntner Landesregierung und in der Kärntner Krankenanstalten Betriebsgesellschaft (Kabeg), in denen der Virus Anfang Jänner eingefallen war, mussten rund 3.000 Rechnern vom Netz genommen und gesäubert werden (der WebStandard berichtete). Private Nutzer sind deshalb aber keineswegs vor einem Befall gefeit.

Was seine blitzartige Ausbreitung im Web angeht, schätzen ihn die Sicherheits-Experten als hochgefährlich ein. Doch tatsächlichen Schaden angerichtet – etwa Login-Daten ausspioniert – hat er noch nicht. Das könnte sich aber bald ändern, denn Conficker versucht weitere Schadsoftware aus dem Web nachzuladen, wenn betroffene Nutzer eine bestimmte Website anwählen.

Die Millionen von infizierten PCs könnten sich so beispielsweise zu einem gigantischen Botnet zum Spam-Versand oder zu Angriffen auf Websites verbinden. Auch könnte er zum Ausspionieren von Kreditkartendaten genutzt werden. Passiert ist das bislang noch nicht. Es könnte sich um die Ruhe vor dem großen Sturm handeln.

Patrik Runald von F-Secure vermutet hingegen, dass Conficker keine hochgefährliche Zeitbombe ist, sondern einfach nicht richtig funktioniert, berichtet der Spiegel. So hätte der Wurm seiner Meinung nach einen Schädling nachladen sollen, der Usern eine falsche und vermutlich gefährliche Virenschutz-Software andrehen sollte. Derartige Erpresser-Software ist in der Viren-Szene schon länger bekannt und wird gerne eingesetzt, um ahnungslosen Nutzern ein teures, aber nutzloses Programm aufzuschwätzen.

Auch wenn Conficker nicht so arbeitet, wie er sollte – die Bedrohung bleibt bestehen. Denn der oder die Autoren könnten andere Schadsoftware nachschieben, die auf den Rechnern anderes Unheil anrichten könnten. Dass der Wurm fehlerhaft arbeitet, scheint angesichts seiner ausgeklügelten Taktik eigentlich unwahrscheinlich. Denn Conficker vermag es, sowohl seine eigenen Spuren als auch die Wiederherstellungspunkte des Betriebssystems zu löschen, was eine Entfernung schwierig macht. Befallene PCs können mit der aktuellen Version von Microsofts Removal Tool bereinigt werden. Und das wird dringend angeraten, denn wer weiß, womit Conficker in den nächsten Tagen noch Schlagzeilen machen wird, wenn noch weitere Krankenhäuser oder auch Energieversorger oder Banken befallen werden?

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