„Nigerianische“ Märchen aus tausend und einer Nacht

Der Krieg in Syrien, der bereits seit einigen Jahren andauert, ist in letzter Zeit erneut zu einem der wichtigsten Themen in den Massenmedien überhaupt geworden. Mit dem zunehmenden Interesse der internationalen Gemeinschaft an den Ereignissen im Nahen Osten traten auch die „nigerianischen“ Spammer auf den Plan. In den letzten Monaten registrierten wir eine Zunahme von betrügerischen Mails, denen thematisch die Situation in Syrien zugrunde liegt.

Die Autoren der meisten Mails geben sich als syrische Staatsbürger aus, die Zuflucht in Europa suchen und um Unterstützung bei der Investition einer ihnen zur Verfügung stehenden großen Geldsumme bitten. Der Text der Mitteilung kann dabei überaus kurz sein, um die Empfänger neugierig zu machen, oder aber auch detaillierte Informationen zu dem Vorschlag enthalten.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

Die Betrüger versenden häufig Nachrichten im Namen von Ehefrauen, deren Männer angeblich ermordet wurden oder verstorben sind, und dieses Motiv findet sich auch in den Mails mit syrischer Thematik, und zwar praktisch ohne Variationen. Die „Witwen“ berichten, dass ihre Ehemänner ermordet wurden und eine riesige Geldsumme hinterlassen haben, die nun unbedingt in ein anderes Land überführt werden müsse. Ja, und auch sie selbst seien nicht abgeneigt, Syrien zu verlassen.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

Die Betrüger verschicken mitunter auch Mails im Namen von Unternehmens-Mitarbeitern oder Inhabern, und um den Empfänger von der Echtheit des Schreibens zu überzeugen, werden teilweise auch die Namen real existierender Organisationen in den Mitteilungen angeführt. Die Autoren der von uns entdeckten Schreiben erzählen die unterschiedlichsten Geschichten, beispielsweise über den erfolgreichen Transfer von Mitteln nach Frankreich und die Ablehnung eines Visumsantrags, verbunden mit der Bitte um Hilfe, sollte es ihnen nicht gelingen, nach Europa auszureisen.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

In „nigerianischen“ Mails bemühen sich die Cyberkriminellen nicht nur darum, die Empfänger für die finanzielle Belohnung zu interessieren, sondern sie appellieren auch an ihr Mitgefühl. Die Pseudo-Bürger Syriens befürchten vom Präsidenten verfolgt zu werden, wenn sie sein Regime nicht unterstützen und bitten den Adressaten daher darum, bei der Überweisung und Anlage ihrer Ersparnisse zu helfen.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

Englisch ist die Lieblingssprache der „nigerianischen“ Betrüger, doch wir sind auch auf Nachrichten in anderen Sprachen gestoßen, beispielsweise deutsch, französisch und arabisch. Der Autor der Mail in deutscher Sprache stellt sich als Offizier der syrischen Armee vor, der gegen den IS kämpft und 16 Millionen Dollar außer Landes bringen will, die er beim Ölhandel verdient hat. Er bittet den Empfänger, den Erhalt der E-Mail zu bestätigen, damit er ihm dann weitere Informationen übermitteln kann. Dass syrische Bürger oder die Bewohner anderer arabischer Staaten über so riesige Geldsummen verfügen, wird übrigens fast immer mit irgendwelchen Geschichten erklärt, die mit Ölgeschäften zusammenhängen.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

Die Mail in französischer Sprache ist im Namen eines minderjährigen syrischen Mädchens verfasst, das sich aktuell in Deutschland aufhält und dessen gesamte Familie und Verwandtschaft im Bürgerkrieg in Syrien ums Leben kam. Das Mädchen klagt über die unerträgliche Kälte in dem Zelt, in dem sie derzeit lebt, und über die nicht eingehaltenen Versprechen der Behörden, die Lebensbedingungen zu verbessern. Sie bietet dem Empfänger des Schreibens an, gegen eine große Geldsumme ihr Vormund zu werden.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

In den Mails in arabischer Sprache, der Amtssprache Syriens, breiten die Betrüger schließlich die traurige Geschichte einer Witwe aus Damaskus aus, deren Ehemann und Kinder bei Bombardements unter Einsatz von chemischen Waffen ums Leben kamen. Das Schicksal dieser unglücklichen Frau soll das Mitleid des Empfängers wecken – der Hinweis auf die große Summe, den Wunsch, Hilfe zu leisten.

"Nigerianische" Märchen aus tausend und einer Nacht

„Nigerianische“ Betrüger sind bestrebt, ihre ausgedachten Geschichten glaubwürdig erscheinen zu lassen, zu diesem Zweck bemühen sie die standardmäßigen Tricks und Kniffe: Links auf legitime Nachrichtenressourcen, detaillierte, emotionsgeladene Geschichten mit Verweisen auf reale Ereignisse und Menschen, darunter auch berühmte Persönlichkeiten, usw. Allerdings darf man darüber nicht vergessen, dass Mails von unbekannten Absendern mit dem Angebot, dem Empfänger zu mehreren Millionen Dollar zu verhelfen, gar nicht echt sein können. Daher ist es in diesem Fall die beste Entscheidung, die Mail einfach zu löschen und nicht in Kontakt zu den Betrügern zu treten.

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